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Samstag, 15. November 2014, 09:21

Eine Rabengeschichte ...

... mit lieben Grüßen vom mupfel :)

Der kleine Mog


Gegen Ende Mai vor ein paar Jahren bat mich der ortsansässige Jagdpächter um einen Gefallen. Mit Vergnügen sagte ich zu, als er mir erzählte, auf seinem Gartengrundstück am Ortsrand sei ein Geschwisterpärchen Rabenkrähen aus dem Nest in seinen Tannen aufs Dach seines Schuppens gefallen. Beim Heckenschneiden und Rasenmähen hätten die beiden durchweg gebrüllt. Am nächsten Tag wurden sie immer noch nicht gefüttert und so habe er die beiden mit einer Leiter geholt. Von den Eltern keine Spur …
Nun habe er aber einen Urlaub geplant und ich hätte doch Erfahrung mit Viechlein.
Die beiden Rabenkinder waren unterschiedlich groß und kräftig und das schwächere war wohl auch verletzt, wollte nichts zu sich nehmen und starb gleich in der ersten Nacht.

Der Mog - so hat er immer gerufen: Moooog, mooog… - aber schluckte gierig alles, was man ihm in den Rachen steckte und schlief selig in seinem mit Babytüchlein ausgelegten Brotkörbchen.

Nach wenigen Tagen stand der kleine Vogel dann auf wackligen Beinen, weil die hinteren Zehen nach vorn geklappt waren. Ein paar Tage später klappte eine der Zehen nach hinten. Die am anderen Fuß wollte nicht. Als der Mog nach wiederum einigen Tagen immer noch über den behinderten Fuß stolperte, schnitt ich ein schmales Sensitiv-Pflaster zu und klebte die Zehe nach hinten. Nach knapp einer Woche und dem Pflasterentfernen genoss der Mog das Herumhüpfen mit ordentlichen Füßen.

Allerdings kratzte er sich arg viel und oft und als ich genauer nachsah, bemerkte ich ganze Scharen von Federlingen unterm Gefieder. Also – Gesichtchen zuhalten und mit Frontline einsprühen – das half.

Als sein „Wirkungskreis“ in Bezug auf Flattern und Verdauung größer wurde und unsere Hunde, die mit einem ordentlichen Jagdtrieb ausgestattet sind, sich an den Rudelzuwachs gewöhnt hatten, bauten wir eine Voliere.
Der „Rabenstall“ war tagsüber immer offen - mit einer Ausnahme: Als der Mog schon ein bisschen fliegen konnte, wollte er beim Hundespaziergang mit. Schon am ersten Feld fielen vier Krähen, vermutlich die hiesige Revierinhaberfamilie, über ihn her und sie hackten auf ihn ein, bis er im Gras lag. Ich trug ihn heim und sperrte ihn in seinen Stall - aus Angst, er könnte wieder mitgehen.
Als wir zurückkamen stellte ich entsetzt fest, weil er das Eingesperrtsein nicht gewöhnt war, hatte er sich mehrere Schwanzfedern abgebrochen, als er das Gitter rauf und runter gelaufen war. Deshalb blieb die Tür dann wieder immer offen…. Später hat er sich dann, wenn’s gefährlich wurde, weil zum Beispiel der Rotmilan über dem Haus kreiste oder die Inhaber des hiesigen Krähenreviers von Nachbars Kirschbaum herüber krächzten, unter Charlys Bauch versteckt. Charly ist groß, schwarz und sieht gefährlich aus …

In einem so kleinen Dorf wie hier spricht sich das schnell rum, wenn man eineKrähe aufzieht und eigentlich gab es nur positive Reaktionen. Vor allem viel Gelächter über mich als Hexe, weil ich fast immer schwarz angezogen bin, meines Musikgeschmacks wegen ….
Der einzige Unmensch, den hier auch sonst niemand leiden kann, muss aber gerade neben mir wohnen!
Er hasst alles und jeden, und vor allem Tiere. Ich hab früher mal behauptet, ich könne mit jedem auskommen – dieses Individuum hat mich eines Besseren belehrt….

Nun hat der Nachbar von mir verlangt, ich solle den Mog einsperren, weil ich verpflichtet sei, meine Haustiere auf meinem eigenen Grundstück zu halten. Also erwiderte ich, der Mog ist kein Haustier, sondern ein Wildvogel und gehört mir nicht, ich hab ihn bloß aufgezogen. Dann fragte ich, was ihn denn an ihm störe. Der Rabe habe auf sein Hausdach gesch……, war die Antwort …
Zwangsweise ließ er sich dann was anderes einfallen. Nun zeigte er mich an, indem er mich beschuldigte, einen Wildvogel gefangen zu halten. Sofort und unangemeldet wurden wir von Umweltschutzpolizei überprüft. Alles wurde fotografiert und ans Landratsamt weitergeleitet. Der Mog durfte bleiben, zum Schlafen, Baden und Futtern - und manchmal redete, bellte oder miaute er auf den Dächern. Das ist alles, was er angestellt hat und alle anderen störte es nicht.
Eines Morgens wurde ich vom Polizisten gewarnt, der Nachbar habe sich wieder beklagt, der Rabe habe seine Solaranlage kaputt gehackt, das war die frechste Lüge aller Zeiten! Der Umweltpolizist hat ihm dann halt erklärt, das wäre ein privat-rechtliches Problem und ginge seine Behörde nix an…. Eine Anzeige gab es nie, weil es gar keinen Schaden gab, und ein Anwalt kostet ja auch...
Daraufhin hat ein anderer Nachbar, der den Mog sehr mochte und der auch unter dem Unmensch zu leiden hat, einem Reporter die Geschichte erzählt, das Ganze kam in der Zeitung, garniert mit einem Klischee-Bild - der Mog auf meiner Schulter - und mit Bemerkungen über frühere Anzeigen – zum Beispiel, weil wir ein Skelettbesitzen, welches an unserer Terrassentür steht und das die Polizei entfernen sollte.
In der Hoffnung, wenn der Mog prominent genug ist, könnte ihm weniger passieren, spielten wir gerne mit.

Inzwischenbin ich nun viele hundert Mal die verschiedenen Runden mit den Hunden gelaufen, auf denen uns damals fast drei Monate lang der Mog begleitet hat.Die erste Woche ohne den Raben kam ich jedes Mal völlig verheult heim und noch lange konnte ich mir oft ein paar Tränen nicht verkneifen. Zum Beispiel, immer wenn ich an einem toten Mostbirnenbaum vorbeikam, auf dem der Mog besonders gerne saß, wenn er voraus geflogen war und auf uns wartete. Einige Tage im September stand der Sichelmond in der Morgendämmerung genau hinter diesem Baum, und dann der - na ja, ein bisschen mickrige, mauserig zerfledderte, zwerggeierähnliche - Mog auf dem kahlen Ast und - herrje! - ich hatte damals nie einen Fotoapparat dabei….

Wenn wir die letzten Häuser passiert hatten, kam der Mog meistens von seinen Beobachtungsposten auf den Dächern heruntergeflogen und lief! dann zwischen den beiden Hunden den Berg hoch zum Wald. Dorfbewohner, die uns begegneten, lachten und meinten,unserem „Dritthund“ sollten wir doch ein Stachelhalsband umlegen und eine pinkfarbene Leine würde ihm auch stehen….
Einmal bremste ein Rennradfahrer seine rasante Fahrt über den Feldweg ab, hielt an, starrte die drei Tiere an und wiederholte immer wieder fassungslos den Kopf schüttelnd: „Des glaub i jetzt aber net! Des glaub i jetzt aber net! …“

Manchmal jedoch blieb der Mog auf dem letzten Hausdach sitzen und hielt seine Reden ans Volk, dass man ihn kilometerweit unsere Enkelin, Hunde, Katzen, Hühner und Enten imitieren hören konnte: „Oma, aua, Oma aua, miau, wuffwuff, gagack….“
Die Dorfbewohner fragten mich oft lachend: „Mupfel, hast heut morgen Deinen Raben wiedermal auf meinem Dach abgestellt?“
Ein älterer Dorfbewohner erzählte mir, einmal habe er draußen vor dem Haus ein Kind arg jammern hören, und als er rausging, um nachzuschauen, sah er keine Menschenseele – bloß ein Rabe sei auf dem Brückengeländer gesessen …

Dort saß er oft und gern, der kleine Mog, auf dem Brückengeländer am Ortsausgangzu den Feldern hin - unser Dorf ist eine „Sackgasse“, hier gibt es keinen Durchgangsverkehr - und wartete bis jemand vorbeikam.
War es eine Katze, dann knatterte er los wie ein Maschinengewehr, die hatten alle gehörig Respekt vor ihm. Da gibt’s auch eine kleine Fotoreihe, wie Mog-san liederlich gackernd Frau Wetzels roten Kater Serafin auf den Rücken legt…. Frau Wetzel erzählte später, von Tag an habe Serafin sich geweigert, bei ihren Spaziergängen dieses Stück Weg wieder mit ihr zu gehen. Er habe immer lieber einen größeren Umweg in Kauf genommen, um nicht womöglich nochmal diesem schrecklichen schwarzen Vogel begegnen zu müssen …

Große Hunde liebte der Mog natürlich, legte ihnen „Sturmwellen“, indem er ihnen knapp über den Kopf sauste und spielte gern Fangen mit ihnen. So mancher Hundehalter sparte sich einen langen Marsch mit seinem Hund, wenn der Mog eine Viertelstunde den Hund „an der Nase herumführte“…
Als eines Tages mein Schwiegersohn vor unserem Haus nicht nur seinen eigenen großen Hund aus dem Auto springen ließ, sondern auch noch seines Nachbarn kleiner Westi raushüpfte, knatterte der Mog plötzlich los – ein Maschinengewehrdauerfeuer … Er hatte den kleinen weißen Einstein für eine Katze gehalten.

Menschen gegenüber war der Mog sehr reserviert. Anfassen ließ er sich von niemandem außer von mir und – je nach Laune – den Mitgliedern meiner Familie.
Er hat auch nie jemand belästigt, ich hatte immer wieder überall nachgefragt…
Bloß den seltsamen Nachbarn, die ihn hassten, ist er immer wieder kreischend und gehässig kichernd dicht über die Köpfe geflogen. Entweder lag es am noch lauteren Kreischen der Nachbarin oder weil er es übel nahm, dass von dort auf ihn geschossen wurde….

Als der Mog einmal zur Rabenschlafenszeit - in der Abenddämmerung - länger nicht auftauchte, ging ich suchend ums Haus und da saß er und bewachte einen fast noch nackigen Spatz - nur die ersten Federschäfte standen diesem zu Berge.
Erstaunt, dass der Mog ihn nicht gevespert hatte, trug ich den Spatz rein und drei Wochen später flog er aufgeregt tschilpend mitten in einen Spatzenpulk auf das Hausdach gegenüber.

Im September änderte sich viel im Leben des Mog.
Er blieb jetzt - nach der Lockerung der Reviergrenzen, die dann im kommenden Frühling neu ausgekämpft und abgesteckt werden - oft auf den Feldern zurück und ich konnte beobachten, wie er versuchte, Anschluss an die inzwischen gemeinsam pickenden Krähengruppen zu
bekommen. Anfangs war er frech und wurde von den Artgenossen zurechtgewiesen, aber nie richtig böse.

Ganz besonders freute ich mich, als der Mog an einem wunderschönen Spätsommertag einen Spielkameraden fand…
Er hatte sich vorlaut gackernd – knapp an einer ähnlich mickrigen Krähe vorbeirauschend – auf die Holzstütze eines Strommasten gesetzt. Die fremde Krähe näherte sich unauffällig – eifrig pickend – schoss plötzlich hoch, warf den Mog von seinem erhöhten Sitzplatz und nahm den Platz selbst ein. Der Mog hüpfte ein bisschen hin und her und zahlte dann mit gleicher Münze heim – gackernd warf er die fremde Krähe runter. Die Hunde waren mit ihrem Lieblinssport, der Mäusejagd beschäftigt, so hatte ich mich auf die Wiese gesetzt und konnte in aller Ruhe
das Rabenspiel verfolgen. Die beiden blödelten wie sich balgende Kinder oder junge Hunde, flogen sich gegenseitig verfolgend kleine Runden und kehrten immer wieder zum Strommasten zurück.
Diese kleine Krähe wartete nun fast jeden Morgen auf uns – auch später, als wir ohne den Mog unterwegs waren, saß sie noch wochenlang einzeln am Wegrand und ließ die Hunde recht nah herankommen. Sie kannte meine Pfeifmelodie (Moog, Moog, wo bist Du?) und mein Rufen….

Mein größtes Vergnügen hatte ich, wenn der Mog bei starkem Wind fliegen übte.
Vom Berg aus sah ich, wie er übers ganze Dorf weg Sturzflüge übte, sich vomWind hoch tragen ließ, kurz die Hunde „rasierte“ - und weg war er wieder … Ein wundervoller Anblick, wie er sein Leben und die Freiheit genoss… Wer so etwas einmal miterlebt hat, kann kein gesundes Wildtier einsperren – bestimmt nicht mit gutem Gewissen….

Im Garten und auf dem Feld konnte ich sehen, dass sich der Mog viel Futter selbst besorgte: Nachtfalter, Heuschrecken, tote Mäuse, Raupen, Maden, Käfer, Spinnen, Beeren, Obst, Gemüse, Nüsse… Vieles weichte er erst im Gartenteich, der Vogeltränke oder Pfützen ein, bevor er es genüsslich vesperte.
Worüber ich bei einem Spaziergang an einem Spätsommertag staunte - der Mog hüpfte den Rand eines betonierten Wegs entlang und immer wieder fuhr sein Schnabel ganz plötzlich neben dem Weg tief in die Erde – und jedesmal hatte er eine Käferpuppe ergattert. Kein einziges Mal blieb sein Schnabel leer. Woher wusste er …?

So sehr ich mich darüber freute, wie gut der junge Rabe sich inzwischen selbst versorgte, recht frustrierend war der Anblick meines Gemüsegartens in diesem Sommer. Bald sparte ich mir den Gang mit Seiher oder Schüssel dorthin, um zu ernten – alles war durchlöchert und zerfetzt: Gurken, Tomaten, Paprika, Bohnen…
DenMog selbst fand ich meist gemütlich dösend auf einem Zaunpfosten und wenn ich laut fluchte, blinzelte er mich bloß erstaunt und ganz unschuldig an …
Nicht nur mein Garten litt unter Mogs Spiel- und Lerneifer, auch die Terrasse wurde zum Rabenspielplatz umgewandelt, was Nicht-Rabenmütter wohl einen „argen Schweinestall“ nennen würden. Außerdem musste jeder Besucher gewarnt werden, Sitzflächen und Lehnen von Gartenstühlen erst auf Rabenhäufchen zu kontrollieren …
Wäschetrocknen an der frischen Luft - das konnte man sich diesen Sommer ganz abschminken. Der Mog dekorierte treffsicher jedes frischgewaschene Teil großzügig schwarzweiß …
Und das Lüften des Hauses fiel in diesem Sommer immer ganz knapp aus, denn man konnte dafür nur die Zeit nutzen, wenn der Rabe auf dem Feld zurückblieb.
Vergaß ich mal, das Badfenster zu schließen, musste ich dies bitter büßen. Der Mog merkte alles und - ruckzuck – hatte
er das Badezimmer erobert. Es gab nichts, was ihn nicht interessierte und er konnte alles brauchen! Dabei ging so einiges in Brüche wie z.B. das Zahnputzglas, verschwand auf Nimmerwiedersehen wie viele, viele Haargummis oder war halt nicht mehr zum ursprünglichen Zweck zu gebrauchen. Je neuer zum Beispiel eine Klopapierrolle war, umso größer war der Spaß, sie vollständig abzuwickeln und sie zu zerfetzen. Mit halben Sachen begnügte sich der Mog nicht …

Dass Rabenvögel nicht ganz ungefährlich sind, musste ich schon damals beim Mog andeutungsweise erfahren, denn als die kleine Krähe sah, wie ich meiner kleinen Enkelin etwas zum Essen gab, wurde diese von ihm umgehend als Konkurrentin eingestuft und fortan stürzte der Vogel sich auf sie und pickte sie in die Füße, sobald er sie erblickte.

Auch als der Mog nicht mehr immer von den Hundespaziergängen mit heimkam, wollte er einen geregelten Tagesablauf. Spätestens um die Mittagszeit erschien er um zu fressen, baden, sich putzen und schlafen. Dann ging er wieder mit auf Tour …
Lustig hüpfte er vor uns her, zerrupfte mit Begeisterung vertrocknete Regenwurmleichen und gammlige Mäusekadaver, schlang genüsslich bestens abgehangene Stücke runter und stocherte eifrig in jedem Hundehaufen nach Schmeißfliegenmaden - um gleich anschließend auf meine Schulter zu flattern und mir mit demselben Schnabel frech ins Ohr zu zwicken und sich mit dem anderen Rabenende stilvoll auf meinem T-Shirt zu verewigen.
Denn wie bei allen Kindern gilt auch bei Rabenkindern: Stopft man vorne was rein, kommt umgehend hinten was raus …
Dann konnte es passieren, dass er plötzlich aufhorchte, aufmerksam in eine Richtung spähte, weil ihn dort in der Ferne etwas interessierte – und weg war er …
Eine Stunde vor der Abenddämmerung saß er dann aber wieder auf der Lehne eines Terrassenstuhls und wartete auf Familiengesellschaft. Wenn ´s dunkel wurde, hüpfte er in seine Voliere und wenn ich dann vergaß, die Tür zu verriegeln, kam er geflattert und erinnerte mich dran, indem er mich am Ohrring zupfte.

Wie gerissen der kleine Schlawiner war, bemerkte ich, als die Hunde die ersten Walnüsse des Jahres unter einem Baum fanden. Als Charly (Charlotte) sich niederließ, um ihre Nuss zu knacken, lief der Mog immer im Kreis um sie herum um - wie immer – zu versuchen, etwas zu mopsen. Charly brummelte und gab nix her. Schließlich konnte der Mog doch noch ein Stück Schale ergattern und Charly fuhr mit der großen Schnauze warnend herum, - wie immer, wenn der Mog zu frech wurde und klaute –, berührte ihn jedoch nicht. Da drehte sich der Mog geschwind auf den Rücken, streckte die Füße nach oben und stimmte ein furchtbares Geschrei an, schlimmer als ein Eichelhäher – grad so, als hätte Charly einen Mordversuch an ihm unternommen. Hatte der Mog doch genau verstanden, wie ich den Hunden eingeschärft hatte, ihn - den Mog - sorgsam zu behandeln und so versuchte er jetzt, den Eindruck zu erwecken, Charly habe ihm Schlimmes angetan.

Weil er nicht mehr auf die Füße kam, musste ich ihm helfen. Das schien ihm nun aber so peinlich zu sein, dass er gleich anschließend seinen ganzen Frust an der armen Ronja ausließ und ihr eine ganze Serie „Sturmwellen“ verpasste.

Im Lauf der Zeit hatte sich bei uns hier eine praktische Ordnung ergeben: Der Mog bekam sein Futter und wie es sich für einen Raben gehört, versteckte er immer erst das eine oder andere Hühnerherz draußen auf unserem Autostellplatz oder einige der Hundegutsele zwischen den Steinen im Garten, bevor er futterte.
Im Garten waren jede Nacht unser Igel und die Hunde unterwegs, um Rabenverstecke zu plündern.
Außerhalb des Zauns übernahm diese Säuberungsmaßnahme eine ganz scheue Nachbarskatze, die den eigenen Garten eigentlich nie verließ, außer um bei uns Hähnchenherzen zu suchen.

Das wurde ihr zum Verhängnis, denn auch sie erwischte von den vergifteten Brocken, die für den Mog bestimmt waren….

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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »mupfel« (15. November 2014, 09:54)


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Samstag, 15. November 2014, 11:44

Hallo Mupfel

Eine tolle Geschichte ist das! Schade das es kein gutes Ende nahm.
Wie alt wurde denn der Mog schließlich?
Stellst du das Foto aus der Zeitung ein?

Grüße,
Dennis

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dennis Rupprecht« (15. November 2014, 15:03)


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Samstag, 15. November 2014, 21:45

Hallo Dennis,

danke Dir! :)
Ja, das war wohl der interessanteste, aber auch nervenaufreibendste Sommer meines Lebens.
Doch habe ich inzwischen mitgekriegt, dass es fast allen Ersatz-Rabeneltern so geht, dass sie von ihrem Pflegling regelrecht "verzaubert" werden. :rolleyes:
Sind halt ganz besondere Lebewesen, die Rabenvögel :)

Der Mog wurde nur ca. 6 Monate alt. Es war ein Samstag - der 27.September.
Ich bin einige Tage später mit meiner Tochter zum Judgement Day - einem Punkfestival - gefahren, um mir ordentlich gute Musik um die Ohren zu hauen und mir die Wut aus dem Leib zu tanzen - aber es hat rein gar nix genutzt. Während der Zugfahrt nach Dornbirn - und wieder zurück - sah ich aus dem Zugfenster laufend Krähen - und fing jedesmal sofort wieder an zu heulen ... ;( Das ist sonst eigentlich überhaupt nicht meine Art ... :confused:

Jedenfalls war das der Beginn meiner kleinen Wildvogelauffangstation.
Das Zeitungsbild selbst besitze ich gar nicht, nur ein mit einer uralten Minoltataschenknipse fotografiertes Bild des Zeitungsartikels, noch handkurbelbetrieben sozusagen.
Ich kann ja mal schauen, ob man - eingestellt - darauf überhaupt etwas erkennen kann.

Liebe Grüße vom mupfel

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Samstag, 15. November 2014, 22:19

Eine einmalige Geschichte!
Danke für dieses Lesevergnügen. Ich kann deine Trauirgkeit gut verstehen...
LG
Gabriele

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Samstag, 15. November 2014, 22:39

Vielen Dank fürs Kompliment und auch fürs Mitgefühl, Gabriele! :)

Liebe Grüße vom mupfel

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Samstag, 15. November 2014, 23:25

Hallo Mupfel,

das ist aber ein schön-traurige Geschichte. Schade um den armen kleine Mog.
Liebe Grüße, Helga

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Sonntag, 16. November 2014, 12:32

Argynnis aglaja

...da könnte ich gleich mitheulen, habe auch so meine Erfahrungen, mit "Einbeinmeisen", vom ♂ schnöde verlassen, aber treu uns ergeben...
Berührende Geschichte, müßte man - für Kinder - bebildert arrangieren!

Schönen Sonntag allerseits, hier nieselt es und ist sehr grau...
Lore
(Achtung: Dateiname falsch, ist natürlich der G. Perlmutterfalter!)
»Eleonore Steinhoff« hat folgendes Bild angehängt:
  • Kaisermantel.JPG

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Sonntag, 16. November 2014, 20:39

Auch Euch, Lore und Helga, danke fürs Lesen und für Euer Interesse!!!

Ja Lore :) - Meisen sind auch was ganz Besonderes! :jip: Da hätte ich auch noch drei Geschichten: einmal Schwanzmeise und zweimal Kohlmeise ...

Das mit den Kindergeschichten hab ich schon öfter gehört und muss sagen, ich hätte sowas als Kind nicht lesen wollen. Aber gut, mich hat eh alles entsetzt, was irgendwie grauslig und ungerecht war. Da konnte ich dann nicht mehr schlafen und es hat mich furchtbar bedrückt - und meinen Kindern ging es später genauso ...
Das heißt aber nicht, dass wir die Realität verdrängen wollen. Es ist nur so, dass diese schon ekelhaft genug ist.
Klar, man könnte für Kinder die doofen Nachbar-Passagen weglassen ... Mal sehen, ist ja nicht meine einzige Geschichte, vielleicht wird irgendwann ja doch noch ein Buch draus.
Bloß, wenn man ehrlich ist - kaum eine Geschichte hat ein wirkliches Happy End.

Liebe Grüße vom mupfel - und ich glaub, ich hab auch einen Perlmutterfalter, aber wenn ich´s richtig seh, halt bloß den Kleinen.
»mupfel« hat folgende Bilder angehängt:
  • !  Perlmutterfalter 1 kl.jpg
  • !  Perlmutterfalter 2 kl.jpg

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Sonntag, 16. November 2014, 20:44

Hallo Dennis,

nun hab ich in meiner alten Externen gekruschtelt, das Bild gefunden und ein bisschen bearbeitet:
»mupfel« hat folgendes Bild angehängt:
  • !   Zeitungsartikel_Rabe_2009-09 2.jpg