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  • »Jürgen Ebert« ist der Autor dieses Themas

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1

Mittwoch, 1. April 2015, 17:11

Was technisches: Aufllösung/Tiefenschärfe

Hallo zusammen,

ich habe mir vor etwa zwei Jahren eine Spiegelreflexkamera und ein Makroobjektiv gekauft. Seitdem hat sich die Bildqualität im Vergleich zur vorherigen Digitalkamera verbessert... aber sooo sehr verbessert hat sie sich gefühlsmäßig nicht. Jedenfalls kommt es mir so vor, als ob andere Leute viel schärfere Käferfotos (und das ist es ja, was ich meistens mache) hinbekommen, und vor allem viel mehr Tiefenschärfe hinkriegen. Nun ist Tiefenschärfe ja immer ein Problem, trotzdem habe ich das Gefühl, als müsste die Ausrüstung, die ich mir nach etwas Umhören gekauft hatte, mehr können (schon die Ränder des leicht außen hochgewölbten Maßbands sind ja etwas unscharf). Deshalb schaut Euch bitte mal das Testfoto an und sagt mir, was Ihr denkt. Als Testgegenstand habe ich ein Häufchen Zucker gewählt, das ist einfach und ggf., falls jemand das möchte, leicht reproduzierbar. Was meint Ihr:

Kann die Kamera einfach nicht mehr?
Kann sie mehr, aber bei der gebrauchten, die ich kaufte, ist irgendwas nicht optimal?
Oder ist mit meinem Gefühl was nicht in Ordnung? :P

Also:
[font='&quot']Kamera: Sony alpha 380, gebraucht gekauft[/font]
[font='&quot']Objektiv: Sigma 105 mm 1:2.8 DG Macro HSM, neu[/font]
[font='&quot']Blitz: Bilora Ringblitz D-140 RFS
[/font]
[font='&quot']manuell belichtet, F14, 1/160, ISO 100[/font]
[font='&quot']manuell scharfgestellt, Schärfe auf einzelnen Kristallen auf dem Karton[/font]
[font='&quot']Aufnahmeabstand ca. 41 cm[/font]

[font='&quot']Kein Stativ, aber Kameragehäuse und Objektiv/Blitzring an massivem Geländer abgestützt, Verwackelung also sicher auszuschließen, Belichtungszeit auch kurz.[/font]

[font='&quot']Zuckerhaufen ca. 7 mm hoch[/font]

[font='&quot']In der Kamera nicht als RAW, sondern als jpg gespeichert[/font]

[font='&quot']Foto komprimiert mit Gimp 2.8.14, mit Qualität 77 gespeichert (dann war es gerade klein genug). Qualität praktisch identisch mit dem Original, musste genau hinsehen um minimale Unterschiede zu erkennen. Also repräsentativ für Originalfoto.[/font]


Jetzt bin ich gespannt...

Schon mal danke und viele Grüße
Jürgen

P.S. Am Freitag fahren wir weg. Antworten, die hinterher eingehen, kann ich wohl erst danach kommentieren.
»Jürgen Ebert« hat folgendes Bild angehängt:
  • Zuckertest A0104klein.jpg
Falls nicht anders angegeben, stammen die Funde aus dem Odenwald oder dem südhessischen Rheintal.

2

Mittwoch, 1. April 2015, 20:38

Hallo Jürgen,

an Deinem Equipment liegt es meiner Meinung nach nicht, aber mit fotografischen Details kenne ich mich nur ansatzweise aus und habe jahrelang selber rumprobiert um - zumindest manchmal - die erwünschte Bildqualität zu erhalten.
Was mir als Erstes aufgefallen ist, ist der von Dir gewählte Abstand zum Motiv. Nach meiner Erfahrung gibt es nur detailreiche Bilder bei der geringst möglichen Entfernung zum Tier. Bei den meisten Bildern fange ich bei ca. 30 cm an und nähere mich langsam an. Im Falle einer Flucht habe ich dann wenigsten ein paar Bilder, doch viele Insekten lassen ein Objektiv durchaus langsam näher kommen. Die besten Bilder entstehen natürlich in Fangdosen, wo man dann nur noch ca. 10 cm vom Motiv entfernt ist.
Und die tollen Freilandaufnahmen die man manchmal sieht, kommen in der Regel mit einem Stativ und früh morgens zustande; dann sind die Tiere noch kalt und träge und man kann durchaus mit 1/80 ohne Blitz knipsen.

Schönen Gruß

Gregor

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3

Mittwoch, 1. April 2015, 22:26

Hallo Jürgen,

ich bin gewiss kein technischer Experte.
Aber ein paar Dinge kann ich Dir dazu sagen:
Ich habe das gleiche Macro-Objektiv wie Du, nur eine andere Kamera; und es hat auch bei mir lange gedauert, bis ich Übung genug hatte, damit akzeptable Fotos zu machen. Am Anfang waren die Bilder, die ich mit der Supermacro-Einstellung meiner Kompaktkamera gemacht habe, deutlich besser; inzwischen ist kein großer Unterschied mehr zwischen beiden.
Die Tiefenschärfe hängt von einigen Faktoren ab. Einer davon ist die Blende. Ein anderer wichtiger Faktor ist die Brennweite des Objektivs. Grob gesagt: je größer die Brennweite, desto geringer die Tiefenschärfe. Ein 105er-Macro ist sicher nicht verkehrt für Objekte, die wegfliegen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Aber mit etwas Geduld geht's sicher oft auch z.B. mit einem 35er-Macro.
Es gibt sog. DOF-Rechner. DOF steht für Depth of Field, also Tiefenschärfe. Hier ist einer davon. Dort kannst Du Dein Kameramodell und die Brennweite des Objektivs auswählen und bekommst angezeigt, wie groß die Tiefenschärfe abhängig von der Entfernung vom Objekt ist.
Ich hab das für Deine Ausrüstung mal ausprobiert. Bei einem Abstand von 41 cm und Blende 14 hast Du bei einem 105er-Objektiv eine Tiefenschärfe von 0,65 cm; bei einem 35-mm-Objektiv sind es 7,21 cm!

Hoffe, das hilft Dir ein bißchen.

Viele Grüße,
Thomas

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4

Mittwoch, 1. April 2015, 23:12

Hallo Gregor, hallo Thomas,

vielen Dank für Eure ausführlichen und interessanten Antworten!

@Gregor: der Abstand, den ich wählen kann, hängt natürlich vom Objektiv ab. Bei diesem hätte ich rangehen können bis auf 31 cm, näher geht nicht. Das mache ich bei Tierfotos auch oft, beim Testfoto habe ich den Abstand vergrößert, weil der Zucker sonst durch den Blitz völlig überbelichtet worden wäre. Und um die 40 muss ich bei großen Käfern nehmen, weil die sonst nicht aufs Bild passen. Ich könnte es mal ohne Blitz probieren, wollte die normale Aufnahmekonstellation aber möglichst imitieren.

@Thomas: von diesen Rechnern wusste ich noch nichts. Danke, dass Du mit meinen Daten gleich eine Simulation gemacht hast. Dennoch wundert mich das Ergebnis: 0,65 cm sind 6.5 mm, also müsste der 7 mm hohe Zuckerhaufen eigentlich bis zur halben Höhe scharf sein (die andere Hälfte reicht hinter die Papierebene). Aber auf halber Höhe finde ich die Kristalle doch schon ganz schön unscharf. Aber ich bin mir da selbst nicht sicher, deswegen sind Eure Einschätzungen ja so wertvoll. Irgendwie hätte ich nur gern Käferbilder, wo nicht Tarsen und die höchsten Teile der Flügeldecken schon wieder unscharf sind weil ich mal auf den Kopf fokussiert habe... Wenn die Kamera keinen Schaden hat, wäre das natürlich auch super. Vielleicht sollte ich mal über ein kürzerbrennweitiges Objektiv nachdenken...

Viele Grüße
Jürgen

P.S. Der Zusammenhang mit der Blende war klar, deswegen nehme ich extra nicht 22 oder noch weniger.
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5

Donnerstag, 2. April 2015, 18:22

Hallo Jürgen,

die Tiefenschärfe ist völlig unabhängig von der verwendeten Brennweite und dem Aufnahmeabstand. Sie hängt nur vom Abbildungsmaßstab und der verwendeten Blende ab. Hier habe ich mal auf die Schnelle eine Seite gefunden, die den Zusammenhang darstellt.

Wenn ich nun annehme, daß Dein eingestelltes Bild in der Breite nicht beschnitten wurde, komme ich auf eine Schärfentiefe von ca. 2,5mm.
Wobei zu bedenken ist, daß genau genommen nur eine Ebene scharf ist, von der die Schärfe kontinuierlich abnimmt. Bei der Definition der Tiefenschärfe hat man einfach festgelegt: So, ab dieser Unschärfe gilt es als unscharf.

Wenn Du also mehr Tiefenschärfe willst, bleibt Dir nur übrig, weiter abzublenden. Dummerweise handelst Du Dir damit eine immer stärkere Beugungsunschärfe ein (weil das Loch in Deiner Blende immer kleiner wird). Das hat zur Folge, daß Du zwar mehr Tiefenschärfe erhältst, aber die Gesamtschärfe des Bildes abnimmt.

Alternativ mußt Du eine Kamera mit kleinerem Sensor benutzen, weil Du dann für Format füllende Aufnahmen einen geringeren Abbildungsmaßstab brauchst und somit die Tiefenschärfe zunimmt.

Ich habe z.B. eine FZ50. Durch deren kleinen Sensor benötige ich bei gleichem Bildauschnitt nicht ganz einen Abbildungsmaßstab von 1:4, wofür eine Kamera mit Vollformatsensor bereits Maßstab 1:1 benötigt.
Insekten fotografiere ich meist mit Blende 8, was sich für mich als bester Kompromiß herausgestellt hat. Blende 11 (Maximalblende) weist zwar eine größere Tiefenschärfe auf, ist aber insgesamt im Detail schon deutlich unschärfer. Blende 5,6 ist zwar schärfer, aber der Schärfebereich ist so winzelig...
Für Deine Kombination gelten allerdings andere Werte. Da mußt Du selbst, den für Dich besten Kompromiß herausfinden.

Für mich ist Deine Aufnahme in Ordnung. Du hast ja in etwa auf den Untergrund fokussiert, als bleiben für die Tiefenschärfe nur noch ca. 1,2mm übrig (die Schärfe unterhalb sieht man ja nicht).

Ich weiß nicht, wie gut die Sony JPG's macht, vielleicht bügelt die interne Rauschunterdrückung auch noch einige Details weg. Meistens kann man aus dem RAW-Format noch etwas herausholen (die Aufnahme ließe auch noch eine leichte Nachschärfung zu). Das benötigt dann allerdings Zeit am Rechner, die Du vielleicht lieber anders nutzen möchtest.

Meiner Erfahrung nach entstehen die meisten unscharfen Bilder durch Bewegungsunschärfe (deshalb benutze ich immer ein Stativ, dann bleibt nur noch die Bewegung des Objekts) oder durch Fehlfokussierung und nicht ganz korrekter Ausrichtung der Schärfeebene. Von daher sollte man solche Studioaufnahmen nicht überbewerten, weil man im tatsächlichen Einsatz im Freien mit viel viel größeren Widrigkeiten zu kämpfen hat, die die Bildqualität mindern.

So, genug geschwafelt. Vielleicht nützt es Dir ja ein wenig. :gähn:


Viele Grüße
Jürgen

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6

Freitag, 3. April 2015, 00:17

Hallo Namensvetter,

vielen herzlichen Dank für Deinen superlangen Kommentar. War natürlich gar kein Geschwafel, sondern sehr interessant. Über manches muss ich erst mal nachdenken. Dass auch Du meinst, das Foto sei ok, beruhigt mich. Relevant sind solche "Studiofaktoren" für mich aber schon ( und die von Dir erwähnten größeren Störquellen spielen keine Rolle), denn ich fotografiere Käfer eigentlich immer daheim (und bringe sie dann natürlich wieder zurück). Wenn ich mich auch noch über Wind, Zweige die im Wege sind und Schattenwurf kümmern müsste... da würde ich wohl nur noch Ausschuss produzieren. Beschnitten war das Foto übrigens schon, denn ich wollte möglichst wenig komprimieren, und das ging bei der 300 kB-Grenze nur mit Beschneiden.

Erstmal schöne Ostern und nochmals Danke

Jürgen
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7

Montag, 1. Juni 2015, 01:41

Hallo Jürgen

Vor etwa 3 Jahren habe ich mir eine Nikon D 5100 gekauft und es ging mir so wie dir.
Ich war enttäuscht über die Fotoqualität im Nahbereich.
Ein Freund von mir ist ein guter Hobbyfotograf und hat mir einige Tipps gegeben.
Tiefenschärfe war auch was mir gefehlt hat.
Probiere doch mal folgendes aus.
Deine Kamera habe ich gegoogelt. Sie hat ein Programm S.
Hier kannst du die Auslösezeit einstellen.(bei mir an einem Rädchen)
Wenn du die Auslösezeit verlangsamst steigt die Blendenzahl in diesem Programm automatisch an.
Du solltest eine Blende von etwa 16 erreichen.
Die Iso zahl solltest du separat im Menü einstellen können. (100 optimal bei genügend Licht)
Alles hängt vom Licht ab und natürlich davon wann die Bilder bei deiner Kamera durch zu viel Iso anfangen zu Rauschen.
Allerdings eines gibt es zu bedenken.
Bei einer langsamen Auslösezeit reicht ein Stativ allein nicht mehr aus.
Zusätzlich mußt du jetzt mit Selbstauslöser fotografieren.(Das solltest du sowieso immer)
Denn selbst der Druck auf den Auslöser reicht jetzt aus um deine Fotos zu verwackeln.
Dann gibt es aber Tiefenschärfe.

Viele Grüße
Jürgen

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8

Montag, 1. Juni 2015, 14:48

Hallo Peter,

du machst es dir aber etwas umständlich mit:

Zitat

Deine Kamera habe ich gegoogelt. Sie hat ein Programm S.
Hier kannst du die Auslösezeit einstellen


Dafür ist das A wie Aperture=Blenden-orientierter Modus zuständig.
Statt der Selbstauslösung würde ich einen Fernauslöser benutzen. Wenn man ihn hat, wird man ihn nicht mehr missen wollen.

Spiegelvorauslösung wäre auch nochmal ein optimierender Faktor, aber den scheint die Sony alpha 380 nicht zu haben.

Gruß Frank
Bei fehlender Fundortangabe gelten die Angaben im Profiltext.

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Erfahrung bekommt man oft kurz nachdem man sie dringend benötigt hätte!
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9

Montag, 1. Juni 2015, 20:42

Hallo Frank

Im Programm S. kannst du die Auslösezeit einstellen.
Die Blende regelt in diesem Programm die Automatik.
Im Programm P. kannst du die Blende einstellen.
Aber die Iso regelt in diesem Programm die Automatik.
Mit einer D4 oder Eos muß dich das nicht kümmern.
Bei weniger Licht ist mit einer Sony alpha 380 bei Iso 1000 kein Foto mehr zu gebrauchen.
http://www.chip.de/artikel/Sony-Alpha_38…t_38680808.html
Eine lange Auslösezeit ist für mich mit Stativ und Selbstauslöser (oder noch besser
Fernauslöser) einfacher zu händeln.
Mir hat es zu besseren Fotos verholfen.
Viele Grüße
Jürgen

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10

Montag, 1. Juni 2015, 22:18

Hallo Jürgen,

Frank hat schon Recht: Wenn Du mit der Blendenautomatik (S) versuchst, über die eingestellte Zeit den gewünschten Blendenwert zu erreichen, schießt Du Dir damit ja nur ins eigene Knie. Warum benutzt Du nicht die Zeitautomatik (A), stellst den gewünschten Blendenwert ein und überläßt die Belichtungszeit der Kamera?

Es mag sein, daß die Kamera in der Programmautomatik (P) auch den ISO-Wert beeinflußt, doch bei Zeit- oder Blendenautomatik wäre das absolut ungewöhnlich und in meinen Augen auch unsinnig (obwohl ich zugeben muß, daß den Herstellern schon viel Unsinn eingefallen ist... :klatsch: ).

Viele Grüße
Jürgen