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  • »dirk« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 564

Registrierungsdatum: 21. Oktober 2011

Wohnort: Oslo/Norwegen

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1

Freitag, 28. September 2012, 21:36

Ungewöhnlicher Nahkontakt der eher seltenen Art

Hallo liebe Forumgemeinde,

Anfang September hatte ich eine Begegnung der dritten Art. Nicht gerade mit einem Alien, aber für mich nicht minder faszinierend.
Ich kann versichern, die Lokalität des folgenden Scenarios war nicht ein Zoo oder Tiergarten, sondern Hovedøya, eine kleine Insel im Oslofjord nur wenige hundert Meter vom Zentrum der Stadt gelegen.

Ich war gerade dabei die Insektenausbeute des Tages auf dem Kameradisplay zu scannen, als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Ich glaubte zu halluzinieren:
Da stand er, keine drei Meter entfernt (Bild 1, verständlicher Weise leicht verwackelt 8o) und schien mich völlig zu ignorieren. Total uninteressiert, sah noch nicht mal in meine Richtung. So als wäre ich nur ein Baum, oder auf jeden Fall etwas, was man nicht fressen kann. Er trottete dann gelassen und ohne Hast eine Böschung hinauf und verschwand auf der anderen Seite (Bild 2 und 3).

Inzwischen war meine Frau vom Pinkeln aus den Büschen zurückgekehrt. (Glücklicherweise nicht dasselbe Gebüsch, in das der Fuchs verschwunden war – das wäre wohl in die Hose gegangen :D). Als ich ihr gerade aufgeregt von meinem Erlebnis erzählte, und der Ungläubigen die Bilder zeigen wollte, stand er doch tatsächlich schon wieder da (Bild 4, auch jetzt gelang es mir nicht, die Kamera ganz ruhig zu halten).
Dieses Mal schien er uns jedoch zu bemerken (Bild 5), was ihn aber keineswegs in Panik versetzte. Er trabte im Gegenteil ganz gelassen direkt auf uns zu (Bild 6).
Jetzt schrillten bei mir die Alarmglocken: Tollwut?!!! Der Adrenalinstoss ebbte jedoch sofort wieder ab, da mir einfiel, dass seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Norwegen kein Fall von Tollwut mehr bekannt geworden ist. Und dann zum ersten Mal wieder auf einer Insel, ausgerechnet? Ausserdem sah er ja auch ganz gesund aus. Nicht so wie die Katze damals in Nordfriesland, mit ihren gekreuzten Vorderbeinen, dem räudigen Fell, dem völlig irren Blick und dem Schaum vorm Maul….Nö - ganz cool bleiben 8)! Er machte dann auch die Biege und lief wiederum ohne Angst und Panik nur ein paar Schritte entfernt an uns vorüber (Bild 7).
Nach einigen Metern hielt er an, und drehte er sich nochmal um, um für die Kamera als Stillbild zu posieren (Bild 8 ). Danach zog er langsam von dannen und wir setzten unseren Spaziergang über die Insel fort.
Aber das war noch nicht alles. Der Fuchs ist uns danach noch zweifach begegnet (Bild 9 und noch einige mehr). Er schien uns zu mögen ;).
Allerdings schien ihm das Klicken meiner Kamera zunehmend auf den Geist zu gehen, und er bekam es zuletzt etwas eiliger damit sich endgültig aus dem Staub zu machen.

Offensichtlich war es ein junges Tier von diesem Jahr. Und offenbar hat ihm seine Mama vergessen zu erzählen, wie böse viele dieser wandelnden, zweibeinigen Bäume sind, bzw. sein können. Vielleicht weil die Fuchsmamas auf der Insel schon seit mehreren Generationen im Menschen keine Bedrohung mehr sehen. Hovedøya hat zwar eine recht blutige und pulverschwere Vergangenheit, aber seit dem zweiten Weltkrieg dürfte dort kaum noch ein Schuss gefallen sein. Zudem ist die Insel im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel und die Tiere dort sind wohl an Menschen gewöhnt.

Viele Grüsse und einen schönen Start ins Wochenende
Dirk
»dirk« hat folgende Bilder angehängt:
  • Fuchs_1.jpg
  • Fuchs_2.jpg
  • Fuchs_3.jpg
  • Fuchs_4.jpg
  • Fuchs_5.jpg
  • Fuchs_6.jpg
  • Fuchs_7.jpg
  • Fuchs_8b.jpg
  • Fuchs_9.jpg

Beiträge: 11 147

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2

Freitag, 28. September 2012, 22:32

Hallo Dirk,

ein tolles Erlebnis! Und ich finde auch einige Bilder sehr schön, Glückwunsch.

Zum Verhalten des Fuchses fallen mir eigentlich nur 2 Möglichkeiten ein. Entweder ist er von Menschen aufgezogen worden, oder er ist es gewöhnt von Menschen Futter zu erhalten. Habt Ihr mal Einheimische danach gefragt?
Liebe Grüße

Kirsten Eta

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3

Samstag, 29. September 2012, 12:48

Hallo Dirk,

auch von mir Gratulation zum Erlebnis und den Bildern!
Das Thema wurde hier auch schon mal aufgegriffen und ich komme zu den selben Vermutungen.
Spannend auch diese Geschichte im NFF!

Gruß Frank
Bei fehlender Fundortangabe gelten die Angaben im Profiltext.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Erfahrung bekommt man oft kurz nachdem man sie dringend benötigt hätte!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Beiträge: 655

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4

Samstag, 29. September 2012, 14:06

Zitat

Original von Kirsten Eta
...
fallen mir eigentlich nur 2 Möglichkeiten ein. Entweder ist er von Menschen aufgezogen worden, oder er ist es gewöhnt von Menschen Futter zu erhalten.
...


Oder Drittens: Es handelt sich um einen diesjährigen Jungfuchs, der bislang absolut Null Erfahrung/Begegnung mit dem Menschen hat und diesen deshalb als "gewöhnlichen" Teil seiner Umgebung ansieht (zumal wenn dieser nahezu regungslos vor ihm verharrt).


Schönen Gruß

Peter

  • »dirk« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 564

Registrierungsdatum: 21. Oktober 2011

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5

Sonntag, 30. September 2012, 14:17

Hallo Kirsten, Frank, Peter und alle anderen,

vielen Dank!
Ja, die Begegnung gesellt sich wohl kategorisch zu der Art von Naturerlebnissen, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Wie eben auch die erwähnte tollwütige Katze in ihrem letzten Stadium. Oder die
2- Meter Schlange, die mir im Urwald von Costa Rica fast auf den Kopf gefallen wäre. ..
Die meisten solcher langlebigen Erinnerungen haben gemein, dass sie ein Element von Furcht oder Schrecken beinhalten. Die Evolution hat unser Gehirn zum Zwecke der Selbsterhaltung so konditioniert, genau wie das der Tiere auch.

Das wohl tiefgreifendste Schreckerlebnis hatte ich vor vielen Jahren mit einem Riesenkerl von einem Elch. Der Bursche trottete mir im Wald sprichwörtlich über den Weg, aber anstatt das erwartete "natürliche“ Fluchtverhalten zu zeigen, näherte er sich mir langsam, vorsichtig und schrittweise bis auf eine Distanz von ca. 4 m.
Da standen wir uns gegenüber, der volle Fokus unserer Aufmerksamkeit jeweils auf den anderen gerichtet. Ich stand bewegungslos, wie gelähmt und stocksteif vor Angst und Fazination und er machte wechselweise mal ein Schrittchen vor – mal eins zurück, deutlich zwischen Neugierde und Furcht schwankend.
Das ganze dauerte, ja wie lange? Vielleicht 30 Sekunden, 1 Minute? Schwer zu sagen, da mir jede Sekunde wie eine halbe Ewigkeit vorkam. Schliesslich verlor er entweder das Interesse oder die Furcht obsiegte, jedenfalls zog er sich langsam zurück und verschwand zwischen den Bäumen. Und ich wahr heilfroh über seine Entscheidung....
Die Begegnung ist natürlich nicht dokumentiert, denn hätte ich damals - wie heute fast immer - eine Kamera dabei gehabt, so hätte ich mich nicht getraut sie zu benutzen.

Aber zurück zum Fuchs. Ich stimme, was sein Verhalten angeht mit Peter überein.
Es handelte sich, wie von mir ja auch bereits vermutet, wahrscheinlich um ein junges Tier (gibt es irgendwelche rein äussere Kriterien, welche diese Annahme stützen?). Und dieses Tier hatte in seinem jungen Hirn wohl noch keine negativen Erlebnisse mit den Menschen abgespeichert. Wobei natürlich diskutiert werden kann, in wie Weit Fluchtverhalten und –distanz genetisch festgelegt sind oder auf Erfahrungswerten beruhen….
Jedenfalls glaube ich nicht, dass es ein gezähmter Fuchs war, oder dass er aktiv von Menschen gefüttert wurde. Sein Verhalten wäre in dem Fall auf uns konzentriert gewesen. Er zeigte aber, wie gesagt, keinerlei Interesse an uns. An Menschen gewöhnt war er hingegen mit ziemlicher Sicherheit.

Der Fuchs ist gegenüber dem Menschen aufgrund seiner sprichwörtlichen Schläue sehr adaptionsfähig. Ein echter Kulturfolger. Seit den 80-Jahren scheint sich der Fuchs zunehmend inmitten von Städten anzusiedeln (Googel: „Stadtfüchse“). Das Phänomen wurde bisher besonders in Berlin, Zürich, London, Glasgow und…angeblich auch in Oslo beobachtet. Selbst hatte ich davon hisher noch nichts gehört (oder gesehen).

Einen interessanten und zugleich komischen Bericht darüber, in welcher genialen Weise sich Füchse den Menschen für ihre Zwecke zu Nutze machen, habe ich hier entdeckt (Leider nur auf norwegisch. Bing liefert wie immer nur eine sehr holperige Übersetzung - besser ins Englische als ins Deutsche).

So wird hier ein Fuchs beschrieben, der auf einem Golfplatz bei Glasgow die Bälle an den Löchern "kidnapped“ und sie nur für ein Lösegeld in Form von Schokolade oder ähnlichen Leckereien wieder herausrückt.
Ein anderer wurde beobachtet, wie er auf mitleiderregende Weise lahmend Menschen um Almosen anbettelte, um dann, kaum ausser Sichtweite gehumpelt, mit seiner Beute im Maul einen frischen Trab einzulegen…

Ja, er ist schlau, der Fuchs und er wird in Zukunft wahrscheinlich auch andererorts vermehrt zum gewohnten Stadtbild gehören.

Gruss
Dirk