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  • »mupfel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 465

Registrierungsdatum: 28. August 2014

Wohnort: Nordbaden, MTB 6917, 210m bzw. 265m ü NN

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Montag, 17. November 2014, 22:23

Eine Amselgeschichte ...

... mit lieben Grüßen vom mupfel! :)

ROSA

Im Juni 2011

Der Rachitis-Amselhahn Rosa, der beste Duellsänger des Viertels, ist zwar sehr zickig und arrogant, aber solange keine andere Amsel oder sonstiger kleinerer oder schwächerer Vogel in Reichweite ist, den er piesacken kann, ist er halbwegs friedlich. Vor den Rabenkindern, mit denen er noch ein Weilchen die Voliere teilen muss, hat er Respekt.
Und nein, ihm wird nichts passieren. Selbst, wenn die Raben auf die Idee kämen - er ist gescheit und schnell und kennt so viele gute Verstecke - und ich würde es schnell merken und ihn dann rausholen.

Ja, und gestern hat der Rosa mich reingelegt. Er hat sich im Blumentopf in der Schleuse versteckt und ist mir am Ohr vorbei davongedüst.
Wer selbst Wildvögel päppelt, kennt das große Dilemma, in das der Päppler oft gerät: Hat der gepäppelte Vogel ein Handicap, ist er wohl glücklicher, in Sicherheit, aber eben gefangen zu leben oder ist es ihm vielleicht doch lieber, wenigstens einige Tage Freiheit zu genießen, um dann halt als Futter im Kreislauf der Natur zu nützen, anstatt dauernd in Angst und Panik durch die Voliere zu rasen?

Was mir die letzten Jahre oft aufgefallen ist: es gibt Vögel, die deutlich zeigen, dass sie rauswollen, obwohl sie gar nicht sehr scheu sind und es gibt Vögel, die furchtbar wild und ängstlich sind - und trotzdem keine offenstehende Tür nutzen, um in die Freiheit zu gelangen.
Die Päpplerin des Rosa (Rosa wurde als noch nacktes Küken gefunden) hat mehrmals betont, es mir zu überlassen, zu entscheiden, was denn für den Rosa besser wär.
Bis gestern hat sich die Frage nie gestellt. Der Rosa wollte bisher, die vergangenen elf Monate also, nie raus.

Ja und dann saß er erstmal im Garten und hat nach Würmern gegraben - und ein schweres Gewitter zog auf... und ich sollte schon unterwegs sein ins Tierheim, um wiedermal einen angekündigten „Spatz“ abzuholen.
Rosa lachte mich aus, als ich ihm das erklärte und flog in den großen busch- und baumreichen Garten der Nachbarn gegenüber.
Ich wollte mir schon einreden, es solle halt so sein, ich könne jetzt auch nichts ändern und jetzt müsse ich aber endlich losfahren …, da schoss erst ein und dann ein zweiter Vogel auf mich zu … Der erste knapp an mir vorbei, der zweite - etwas größere - zog nach rechts und war verschwunden. Doch hatte ich die ärgerlichen Schreie erkannt: Ein Sperber war´s, dem der Rosa mit unheimlichviel Glück ganz knapp entwischt war.
Der Schreck musste den Rosa doch dazu bringen, heimzukommen - sollte man meinen ...
Von wegen!
Nun saß er also unter meinem Sommerflieder neben der Terrasse, beruhigte sich recht schnell - und schon stürzte er sich ins nächste Abenteuer…
Er flatterte nämlich begeistert auf eine Amselhenne zu, die ihn vom Carport aus neugierig beäugte.
Wie zu erwarten, dauerte es nicht lange, bis deren Herr Gemahl erschien, mit dem zusammen sie ein Nest mit Kindern in unseren Büschen betreut.
Eine Diskussion entbrannte zwischen den beiden schwarzbefrackten Herren und verlagerte sich auf ein Hausdach gegenüber - und dann war nichts mehr zu sehen und zu hören... außer Blitz und Donner und es fing an zu schütten wie aus Kübeln …

Als ich mit meinem neuen Pflegling, der sich als Rotschwänzchen entpuppte, aus dem Tierheim zurückkam, hörte ich den Rosa singen, gar nicht weit weg - und im "Duell", vermutlich mit seinem Widersacher, dem Amselhahn, der ein kleines weißes Federchen am Bürzel trägt und der schon seit Jahren mit Familie unser Heckenbewohner ist.
Gegen Abend dann, beim letzten Füttern der Jungraben, ertönte plötzlich ein lauter Knall - und beide Hunde standen vor einem leblosen schwarzen Vogel auf der Terrasse.
Unter dem Gartentürchen durch flutschte gerade der Amselhahn mit dem weißen Federchen auf dem Bürzel.
Traurig hob ich den Rosa, der gegen dieTerrassetür geflogen war, auf und machte mir keine große Hoffnung, denn sein Schnabel stand offen und seine Augen waren kleine Schlitze.
Wie sonst oft fremde Vögel, legte ich nun den armen Rosa in ein Körbchen, Kuchengitterhaube drüber, Tuch drüber und ab ins Schlafzimmer...

Eine Stunde später, nach dem Abendessen....
Der Rosa saß gemütlich in seinem Körbchen, zeigte weder Panik noch Hektik und hatte es dann auch ganz eilig, von meiner Hand auf sein Podium - sein Gesangsbrettchen - zu hüpfen.
Sofort legte er los, weil nämlich - der Amselhahn mit dem weißen Federchen auf dem Bürzel saß schon auf dem Nachbardach und diesem nahm er jetzt auf der Stelle den Wind aus den Segeln und versalzte ihm seine Siegeshymne.

Nun hoffte ich halt, dass nichts mehr nachkäme vom Aufprall an derTerrassentür, aber bis dahin sah´s gut aus.

Nun drängte sich mir aber der Gedanke auf, der Rosa könnte sich in Rabengesellschaft vielleicht doch unwohl gefühlt haben und ich hätte es gar nicht bemerkt! Dieser Gedanke erwies sich jedoch bald als Irrtum.
Den Rosa hatte ich dann nämlich vorsichtshalber in der Schleuse separiert, die ja auch alles beinhaltet, was für den Rosa wichtig ist, weil sie zeitweise als Dohlenquartier genutzt worden war und nun, seit nur noch eine Dohle und zwei Krähen übrig sind, als Raumvergrößerung diente.

Naja, als ich am nächsten Morgen zum Füttern kam, sauste der Rosa wieder an meinem Ohr vorbei.... Ratet, durch welche Tür !
Ja, und nun ist er zufrieden und singt wieder den ganzen Tag und klaut den Raben die kleinen Stücke der Hähnchenherzen und schlingt gierig als erster möglichst viele Zophobas runter, so schnell er kann.
Keine Sorge, ich merk schon, wenn´s nicht mehr passt oder wenn Zwietracht droht.

Das Ganze ist sowieso eine Notfall-Interimslösung.
Aber man kann als Wildvogelpäppler ja nicht so einfach vorausplanen, weil man nicht weiß, was an "Geflügel" so auf einen zukommt - und es fällt halt schwer, "nein" zu sagen, weil die Tierheime doch keineswegs für Wildtiere zuständig sind, nicht über die nötigen Unterbringungsmöglichkeiten wie Volieren verfügen - und die Pfleger auch äußerst selten über ausreichendes Wissen.

Sobald sie „fertig“ ist, geht die Dohle Tschiep voraussichtlich zum Imker meines Vertrauens, der sie in seinem großen Naturgarten zwischen Artgenossen gut auswildern kann.
Die beiden übriggebliebenen Rabenkrähen Eddy und Zwerg Rabe dürfen ein Jahr lang Rabenerziehung durch den edlen wilden handamputierten Philipp genießen. Der kennt das schon...
Das geht aber wiederum erst, wenn das Fussel ausgewildert ist, weil es momentan die große Rabenvoliere als sein und Philipps "Revier" betrachtet und dieses vehement verteidigt.
Wenn dann in einem guten Jahr das Großgefieder der beiden Jungkrähen erneuert und schwarz ist und ich ihre gesundheitlichen Defizite in den Griff krieg, können wir - wie heuer beim Fussel - im nächsten Sommer ans Auswildern denken.
Jedenfalls hat der Rosa bald seine Voliere wieder für sich. Bloß zeitweise muss ich ihn wegen seiner Zickigkeit einschränken. Schließlich war die Behinderten- und Flugübungsvoliere ursprünglich mal nicht für einen Amselhahn allein gedacht....

Und da wir schon angebaut haben - und heuer schon wieder zwei gehandicapte Amseln - das Linäle und wahrscheinlich auch der Fuzzy - hier hängenbleiben ...
Aber weil, wie wir wissen, bei der Päppelei ja nichts vorauszuplanen ist, kommt natürlich wiedermal alles ganz anders ...

Im Juni 2012

hat der Rosa beschlossen, wieder die Freiheit zu testen. Fast gleichzeitig hat auch der Fuzzy, der einjährige gehbehinderte und sehr ängstliche Amselhahn, der sein erstes Jahr freilebend bei uns im Haus verbrachte, unserer Terrasse verlassen.

Der Rosa hat uns trotzdem den ganzen Sommer lang mit seinen von mir übernommenen Melodien pünktlich zur Dämmerung geweckt - vom hohen Birnbaum aus im Garten gegenüber. Vom First der Nachbarn aus ertönten seine Regen- und Abendgesänge, die auch - unverwechselbar - immer Teile meiner Pfeifmelodien enthielten.
Man kann ihn im Profil auch gut an seiner seltsam buckligen Körperhaltung erkennen, die von seinen Rachitisfüßlein kommt.

Der Rosa ist draußen geblieben - vielleicht gründet er nächstes Jahr ja eine Familie. Hoffentlich ist unser Garten ausreichend groß und unsere Würmer zahlreich genug - für zwei Amselreviere ...

Der Fuzzy jedoch stand nach vier Tagen wieder auf der Matte: Viel zu gefährlich da draußen! Und hat erstmal zwei Wochen lang einen großen Bogen um die Terrassentür gemacht, bis er wieder sehr vorsichtige Sonnenbäder ganz in Türnähe wagte.
Zur Zeit bewohnt der Fuzzy Rosas ehemaliges Volierenabteil. Mal sehen, ob ihn nächstes Jahr auch wieder die Freiheit verlockt ...

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Nachtrag: Rosa lebte bei uns, als wir noch kein Auswilderungsgelände hatten und ich für jeden hier durch den Nachbarn gefährdeten Vogel einen Auswilderungsplatz suchen musste. Eine Prachtrabenkrähe, den Mathilder, karrten wir deshalb sogar bis nach NRW :D .
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»mupfel« hat folgende Bilder angehängt:
  • 3 Rosa 19.01. 2011 kl.jpg
  • 4 Rosa 05.04.2011 kl.jpg
  • 5 Rosa 06. 04.2011 kl.jpg
  • 7 Amselhahn Rosa 31.12.2011 kl.jpg