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Samstag, 29. Dezember 2018, 22:36

Köcherfliege im Juni im Allgäu --> Sericostoma personatum/flavicorne-Weibchen

Liebe Freunde von Köcherfliegen,
dieses Tier photographierte ich am 14.06.2018 im Feriendorf Wolfsried, Stiefenhofen, LI, Allgäu, Bayern am Licht.
Da bin ich mal gespannt, wie genau man dieses ex. bestimmen kann.
Es grüßt
Horst Schlüter
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Sonntag, 30. Dezember 2018, 12:15

Sericostomatidae: Sericostoma personatum/flavicorne ♀

Hallo Horst,

das ist ein sehr auffällig und eigentlich atypisch gezeichnetes Sericostoma personatum/flavicorne-Weibchen. Ich kenne diese Art recht gut, weil sie bei uns von Mai bis August zu den häufigsten Köcherfliegen gehört, hatte aber nur einheitlich braun gefärbte Tiere am Licht, vielleicht hin und wieder mit einem hellen Makel an der Unterkante des Flügels. Aber Bayern ist halt immer wieder für Überraschungen gut :D .

Noch ein Literaturzitat zur Problematik der Sericostoma-Arten (Malicky 2005):

"Die Arten der Gattung Sericostoma bieten noch immer ein verwirrendes Bild. ... Das größte Problem bilden aber die zwei in Mitteleuropa weitverbreiteten "Arten" flavicorne und personatum. Diese beiden Namen sind von BOTOSANEANU & MALICKY als Arbeitshypothese vorgeschlagen worden, da es immer deutlicher geworden ist, dass die zur Arttrennung fast allein herangezogene Form der mittleren Anhänge derart variabel ist, dass sie für eine verlässliche Bestimmung unbrauchbar ist. ... Vor kurzem hat LEESE (2004) in seiner Diplomarbeit, die sich allerdings auf viel zu wenig Material stützt, mit molekulargenetischen Methoden herausgefunden, dass man die mitteleuropäischen "schneiden" und "personatum" nicht trennen kann, dass man aber innerhalb beider "Taxa" sehr wohl mehrere Gruppen unterscheiden kann.

In ökologischer Hinsicht haben viele Autoren geglaubt, die zwei mitteleuropäischen Taxa unterscheiden zu können. S. "flavicorne" gilt als Bewohner mittlerer bis größerer Bäche und kleiner Flüsse, "personatum" hingegen mehr oder weniger als Quellbachtier. Aber auch das trifft nicht immer zu. S. "personatum" lebt beispielsweise im Langensee auf den Brissago-Inseln (Lago Maggiore: MALICKY 1996), also nicht in einem Fließgewässer, und in den Westalpen lebt "personatum" nach meinen eigenen Beobachtungen in Hochlagen in Quellsümpfen bei über 2000 Metern, was in den Ostalpen niemals der Fall ist.

Zusammenfassend: Es muss mit Nachdruck betont werden, dass mitteleuropäische Sericostoma derzeit nicht zuverlässig bestimmbar sind. Wir haben es offensichtlich mit einer unbekannten Zahl von derzeit ununterscheidbaren Arten mit jeweils unbekannter Verbreitung zu tun. Für praktische Zwecke sei empfohlen, die genannte Arbeitshypothese weiter zu befolgen, um das Durcheinander möglichst gering zu halten. Wenn wir Glück haben, bekommen in absehbarer Zeit gute molekulargenetische Ergebnisse, mit denen man etwas anfangen kann.
"

Viele Grüße
Jürgen

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Sonntag, 30. Dezember 2018, 21:55

Hallo Jürgen,

für die so ausführliche Antwort und natürlich auch für die Bestimmung möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Von derselben Nacht habe ich auch noch diese Photos. Eigentlich wollte ich die in einem anderen Beitrag anfragen, aber vielleicht habe ich ja nur nicht erkannt, daß es sich um dieselbe Art nur nicht in der "bayrischen" Version handelt.

Aber vielleicht liege ich ja auch ganz daneben.

Es grüßt
Horst
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Montag, 31. Dezember 2018, 00:32

Hallo Horst,

nur ganz kurz eine Zwischeneinschätzung: Das Tier auf den Bildern 2, 3 und 4 hat mit Sicherheit nichts mit Sericostoma sp. zu tum. Schau dir mal die bedornten Beine an und vergleiche sie mit den "nackten" von dem Tier auf deinem Eingangsbeitrag. Hier handelt es sich um eine Limnephilide, aber die Bilder sind leider zu dunkel und kontrastarm, um etwas zur möglichen Gattung oder gar Art sagen zu können.

Auch beim ersten Tier sehe ich zu wenig, außer dass ich erkenne, dass die Spornformel offensichtlich 2-2-4 ist, was stark für ein Tier aus der Familie Sericostomatidae spricht, denn diese Spornformel kommt sonst nur noch bei Tieren aus der Familie Baereidae vor, die aber mit 4-6 mm Vorderflügellänge ausscheiden dürften.

Viele Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr, das dir hoffentlich viele neue Entdeckungen im Bereich der Insekten bescheren möge.
Jürgen

P.S. Ich schaue mir die Bilder morgen noch einmal an, fürchte aber, dass es mich nicht weiterbringen wird.

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Montag, 31. Dezember 2018, 08:44

Hallo Jürgen,
zunächst einmal vielen Dank fürdie schnelle Einschätzung. Ich hatte schon noch überlegt, ob ich nur das erste Bild anhänge.Hätte ich es doch getan.
Gruß
Horst