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1

Freitag, 7. Februar 2020, 21:03

Vespula germanica? --> bestätigt

Schönen Abend,
nicht gerade gelungene Fotos, aber lässt sich hier Vespula germanica erkennen?
Liebe Grüße
Sabine
Österreich, Steiermark, Allerheiligen b.W., 350m, am 23.3.2019 im Garten
»Sabine G.« hat folgende Bilder angehängt:
  • 23.3.mittag 001.JPG
  • 23.3.mittag 002.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Sabine G.« (8. Februar 2020, 08:03)


  • »Jürgen Peters« ist männlich

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Registrierungsdatum: 8. Juli 2005

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Hobbys: Entomologie, Paläontologie, Fotografieren, Lesen, Science Fiction, Computer

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2

Freitag, 7. Februar 2020, 21:25

Hallo Sabine,

lässt sich hier Vespula germanica erkennen?

nein, wie sollte das nach diesen Seitenansichten möglich sein? Kann genausogut Vespula vulgaris sein.


Viele Grüße, Jürgen
-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=
Borgholzhausen, Deutschland
Typische Habitate, in denen ich unterwegs bin.
-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=





3

Freitag, 7. Februar 2020, 21:53

Hallo Jürgen,
ich dachte bei Vespula vulgaris ist die Brustzeichnung eher ein gleichmäßig schmaler Strich, aber das ist dann wohl nicht immer so.
Liebe Grüße
Sabine

4

Freitag, 7. Februar 2020, 23:31

Das ist eine eindeutige V. germanica-Königin.

Gruss, Christian

  • »Jürgen Peters« ist männlich

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5

Samstag, 8. Februar 2020, 00:24

Das ist eine eindeutige V. germanica-Königin.

Ok, und woran erkennt man das jetzt?


Viele Grüße, Jürgen
-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=
Borgholzhausen, Deutschland
Typische Habitate, in denen ich unterwegs bin.
-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=





6

Samstag, 8. Februar 2020, 08:03

Herzlichen Dank Christian.
Ja, woran erkennt man das jetzt wirklich an diesen Seitenbildern? Liegt es tatsächlich an der nach unten auslaufenden Brustzeichnung oder sind da andere Merkmale auch noch relevant?
Liebe Grüße Sabine

7

Samstag, 8. Februar 2020, 10:30

Ich gehe nach der Kopfzeichnung. Die durchgehende Binde hinter den Augen ist typisch für V. germanica, während diese bei P. vulgaris in der Mitte unterbrochen ist. Die gelbe Färbung der Augenbucht ist zudem nach innen zur Kopfmitte gewölbt und bei P. vulgaris nach aussen zum Auge. Das sind zwei relativ sichere Merkmale. Bei Königinnen ist zudem die Zeichung auf Tergit 1 stets unterschiedlich, bei Arbeiterinnen allerdings nicht.

Gruss, Christian

8

Samstag, 8. Februar 2020, 12:14

Hallo Christian,
dann sagt ich recht schönen Dank, dass ich wieder was dazulernen konnte. :)
Liebe Grüße
Sabine

9

Samstag, 8. Februar 2020, 13:17

Das Problem ist, dass inzwischen bei diesen beiden Vespula-Arten eine Unmenge an Tipps, Hinweisen und Bestimmungsmerkmalen durch das Web geistern, die lieder inzwischen vor allem auf einem gesunden Halbwissen basieren. Doch halb reicht eben nicht, wenn man ein Tier ganz bestimmen will. Irgendwo gibt es dann eine Originalquelle, hier v.a. der DJN-Schlüssel von Mauss & Treiber. Doch vieles daraus hat sich inzwischen verselbständigt... Ich habe den Vorzug, dass ich diese Tiere ganz einfach selbst anschauen kann, weil ich über eine Sammlung verfüge und weil ich zudem pro Jahr sicher 1000-1500 dieser Tiere auswerte, weil ich viel Material aus Fallen erhalten und die Kurzkopfwespen darin stets einen Löwenanteil ausmachen.

Ingesamt ist es so, dass die Variabiltät beider Arten insbesondere bei den Arbeiterinnen recht hoch ist. Das betrifft im Prinzip alle Farbmerkmale, doch die beiden genannten Merkmale halte ich noch für relativ stabil. Die Sache wird nicht besser, wenn man weiss, dass sich die Temperaturen stark auf die Gelb/Schwarz-verteilung auswirken und die Tiere sich offensichtlich auch verändern (in der Tendenz nimmt gelb dezeit zu). Bei den Könginnen ist es stabiler, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass diese ja auch voll ausgebildet und nicht reduziert sind wie die Arbeiterinnen. Doch die Variabilität erschliesst sich nur, wenn man auch die Chance hat, die Tiere unter einem Binokular anzuschauen, weil es auch ein unveränderliches morphologisches Merkmal gibt, die Form der Zähnchen an der Kauleiste der Mandibel. Da kann man dann immer schauen, was was ist und welche Farbe bei welcher Art wie ausgeprägt ist. Doch das sieht man auf Fotos nicht.

Davon abgesehen treten beide Arten überall in Deutschland mehr oder weniger häufiger auf, wobei derzeit P. vulgaris zumindest im Norden deutlich häufiger ist als V. germanica (ausser eine Falle steht direkt neben einem Nest von P. germanica). Ich sehe die Tiere etwa im Verhältnis 9:1, wobei sich das jetzt offenbar auch wieder ändert. V. germanica ist eigentlich eine südliche Art, die z.B. fast ausschlieslich im Mittelmeerraum vorkommt, der von P. vulgaris mehr oder weniger gemieden wird. Diese Tiere, vor allem in Nordafrika, sind dann noch deutlich gelber als unsere.

Soweit ein paar Erläuterungen. Und noch eine gute Nachricht. Der DJN-Schlüssel für die Vespidae Deutschlands wird gerade wieder neu aufgelegt, mit den alten Autoren. Ich habe darin allerdings diemal auch Polistes bearbeitet, weil wir ja inzwischen 8 Arten in Deutschland haben. HIer hat sich dank Klimawandel einiges verändert. Ich gebe hier Bescheid, wenn er gedruckt wird.

Gruss, Christian (Schmid-Egger)

10

Samstag, 8. Februar 2020, 18:37

Das kann ich nur bestätigen. Das größte Problem für so Leute wie mich, die sich allein schon zeitlich bedingt nicht ganz so intensiv mit der Materie beschäftigen können, aber trotzdem gerne wissen wollen, was sie da vor die Linse gekriegt haben und was um sie so kreucht und fleucht, ist ja, dass man sich erst mal in dem Wulst an Informationen, die da im Internet und Büchern angeboten werden zurechtfinden und zumindest halbwegs verlässliche Quellen suchen muss. Oft sind die Angaben ja auch recht widersprüchlich.
Deshalb bin ich immer wieder froh, wenn ich erstens Informationen über Bestimmungshilfen krieg und zweitens wenn ich eine Art, Gattung oder Familie von Experten bestätigt bekomme oder eben auch nicht. Wenn ich dann noch Hinweise habe warum und wieso, auf die ich mich dann verlassen kann bin ich schon mehr als glücklich, auch wenns beim nächsten Bild wahrscheinlich wieder gleich schwierig wird. Aber zumindest weiß ich dann worauf ich besonders achten sollte und kann wenigstens versuchen die Tierchen so zu fotografieren, dass man Wichtiges erkennt. Klappt eh nicht immer, manchmal denk ich nicht oder zu spät dran, manchmal sinds plötzlich weg, aber bei einigen funktionierts dann doch, man lernt ja nie aus.
Wie sich mit der Häufigkeit von V.germanica und V.vulgaris bei uns im Süden Österreichs verhält, weiß ich nicht. Bisher habe ich nur V.germanicas bestätigt bekommen, aber besonders viele Exemplare waren es ja nicht, dass man daraus Schlüsse ziehen könnte.

Danke nochmal für die ausführliche Antwort.
Liebe Grüße und schönen Sonntag
Sabine