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1

Freitag, 14. Februar 2020, 00:35

Polistes dominula (19.07.2019) --> bestätigt

Hallo zusammen,



ist das eine Polistes dominulus (Gallische Feldwespe)? Fundort war eine Kleingartenanlage in Berlin-Karlshorst. Die Exemplare waren ca. 12 mm groß und saßen auf Eryngium planum und Gewürzfenchel.

Bisher war ich mir bei der Bestimmung sicher, aber nachdem ich die Beiträge im Forum gelesen habe, bin ich verunsichert.

In Bild 2 vom 30.06.2019 sollte es ein passendes Mänchen sein. Ich habe hier mindestens 100 Tiere in ca. 12 Nestenr in einem Umkreis von 150 m gesehen, falls die Verbreitung von Interesse ist. Die Tiere sind sozusagen allgegenwärtig und viel häufiger als die lästigen Wespen auf dem Frühstückstisch.

Vielen Dank für die Bemühungen.
»Peter Kirsch« hat folgende Bilder angehängt:
  • _MG_3231_1c1.jpg
  • _MG_2552_1c1.jpg
  • _MG_3287_1c1.jpg
  • _MG_3399_1c1.jpg
  • _MG_3413_1c1.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Kirsch« (14. Februar 2020, 21:56)


2

Freitag, 14. Februar 2020, 08:38

Das ist alles P. dominula (nicht dominulus), Männchen und Weibchen. Auf Deutsch heisst sie im übrigen Haus-Feldwespe und nicht Gallische Wespe, weil es eine andere Art mit dem Namen P. gallicus gibt.

Gruss, Christian

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3

Freitag, 14. Februar 2020, 21:50

Hallo Christian,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Dein Hinweis zu den Namen hat meine Vorstellung, dass die wissenschaftlichen Namen immer eindeutig seien, total zunichte gemacht.
Den Namen Polistes dominulus als Gallische Feldwespe habe ich im berlin.artenfinder.net gefunden. Der ArtenFinder selbst ist eine Plattform (Datenbank mit integriertem GIS) zur Erfassung punktgenauer Meldungen von Tieren und Pflanzen.
Daraufhin habe ich im Internet recherchiert und siehe da, Polistes dominula scheint die häufigste Bezeichnung zu sein. Leider kommt der Name Polistes dominulus dort auch vor. Den Namen Polistes gallicus habe ich auch gefunden, einmal als Synonym zu Polistes dominula und zum anderen als eigene Art.
Einen interessanten Hinweis fand ich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Polistes_gallicus. Dort steht:
Nachdem der frühere wissenschaftliche Name der Gallischen Feldwespe, Polistes gallicus, in P. dominula geändert wurde, benannte man die hier beschriebene Art von P. foederata in P. gallicus um. Somit wird der Name P. gallicus auch nicht mehr als Synonym der Gallischen Feldwespe geführt. Mittlerweile wurde auch der Artstatus der P. omissa gelöscht, dieser Name bildet heute ein Synonym der hier beschriebenen Art.

Dass es mit den deutschen Namen ein Durcheinander gibt, war mir bekannt. Dass es aber auch bei den wissenschaftlichen Namen rund geht, war mir neu. Als deutsche Namen habe ich gefunden Gallische Feldwespe, Französische Feldwespe und Haus-Feldwespe. Am besten gefällt mir Haus-Feldwespe, so wie Du sie benannt hast, da dies dem jetzigen wissenschaftlichen Namen am besten entspricht.
Ich habe sogar eine Broschüre (Ausgabe 2017) von dem Experten, Helmut Hintermeier, in der er beide wiss. Namen verwendet, P. gallicus und P. dominulus, ohne dies zu kommentieren oder als Synonym zu kennzeichnen.

Die vielfältigen Namen sind für mich als Laien eine echte Herausforderung. Ich hoffe nur, dass ich eine P. gallicus erkennen werde, falls sie mir über den Weg fliegt.

Herzliche Grüße

Peter

4

Samstag, 15. Februar 2020, 08:29

Bei wissenschaftlichen Namen gibt es kein Chaos, ganz im Gegenteil. Es gibt ein sehr ausgefeiltes System, welches Stabilität zum Ziel hat und im wesentlichen auch sehr gut funktioniert. Jede Art basiert auf einem Typusexemplar, welches die Art definiert. Wenn eine Art doppelt beschrieben wurde (was vor allem in der Zeit vor 1950 häufig vorkam), wird der älteste Namen gültig, und jüngere Namen zum Symonym. Seit etwa 30 Jahren und vermehrt in den letzten 10 bis 15 Jahren konnten Forscher bei Insekten sehr viele dieser Typen untersuchen, stellten viele Fehler fest und korrigierten das System. Mit jeder Korrektur wird es stabiler, und genau das ist auch bei Polistes passiert. Zudem gibt es grammatikalische Regeln, die bestimmen, ob eine Art bspw. P. dominulus oder P. dominula heissen muss. Nichts davon ist willkürlich. Doch im Moment wird eher "aufgeräumt", und das mag schon mal den Eindruck von Unordung erwecken.

Das Problem sind jedoch vor allem die "Sekundärwissenschaften", bzw. die Amateure, Autoren wissenschaftlcher Bücher etc., die dann über diese Arten schreiben. Sie haben diese Informationen nicht immer, bzw. recherchieren oftmals nicht sorgfältig. So entstehen solche Missverständnisse. Sie liessen sich aufklären, doch das würde eine andere Arbeitsweise vor allem beim Schreiben mancher Büchern erfordern. Das Internet tut sein übriges dazu, auf eine richtige Information kommen fünf falsche...

Bei Polistes gibt es eine aktuelle Revision der westpaläarktischen Arten von 2017. Ich bin zufällig der verantwortliche Autor, und dort ist jetzt der aktuelle Stand zusammengefasst, der sich nach aller Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr ändern wird. (wenn du ein pdf willst, schreibe mir bittte eine Mail an christian at bembix.de). Für die deutschen Namen gilt das leider so nicht, denn dafür gibt es keine Regeln. Mein Kollege Rolf Witt und ich schlagen in Kürze eine Liste deutscher Namen für alle deutschen akuelaten Wespen vor, in der Hoffnung, dass das dann vielleicht einheitlich wird.

Einen Punkt sollte man allerdings dennoch erwähnen. Wissenschaftliches Chaos gibt es immer dann, wenn sich verschiedene Wissenschaftler nicht einigen können und verschiedene Namenslisten führen.Doch das betrifft weniger die Ebene der Art, sondern die höherren Ebenen wie Gattung oder Familie. Dies ist z.b. bei den Schmetterlingen der Fall, und leider teilweise auch bei den Bienen. HIer findet man dann für eine Art mehrere Gattungsnamen, idealerweise natürlich wenigstens mit einem einheiltlichen Artnamen. Das ist stets schwierig. Bei den Wespen haben wir solche Fälle zum Glück nicht, dort ist die Community noch etwas vernünftiger.

Gruss, Christian