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  • »Heiner Matthias« ist der Autor dieses Themas

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1

Sonntag, 17. April 2016, 21:25

Immer weniger Insekten...

Hallo,

Immer weniger Insekten lautet die Überschrift einer großen überregionalen Zeitung. Obwohl der Inhalt allen Lesern dieser Internet-Ecke sicher aus eigener Erfahrung bekannt sein sollte, ist der Artikel durchaus lesenswert.
Aber vielleicht sollte der Autor auch mal häufiger in Foren wie diesem hier vorbeischauen: "Die Wildbienen im Anflug auf den Bienenstock" (Unterschrift 1. Bild) sehen für mich doch eher wie stinknormale Honigbienen aus. Und was der Monarchfalter auf dem 2. Bild in diesem Zusammenhang soll, erschließt sich mir auch nicht so recht.
Wie unten im FAZ-Artikel verlinkt, ist vor einer Woche ein ähnlicher Artikel erschienen. Ich bezweifele aber, dass solche Artikel irgendeinen nachhaltigen Effekt auf das Bewusstsein von Politikern und Nicht-Politikern haben.

Freundliche Grüße,
Heiner

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2

Montag, 18. April 2016, 20:50

Hallo Heiner,

mir selber ist auch schon aufgefallen, daß hier selbst bei gutem Wetter insgesamt "viel weniger fliegt". Selbst wenn ich um diese Jahreszeit früher, weil noch wenige Fluginsekten wegen kühler Witterung unterwegs waren, Steine und Holzstücke am Wald umdrehte, wimmelte und wuselte es darunter vor Käfern, Springschwänzen, Asseln, Saftkuglern, Spinnen usw. Jetzt so gut wie gar nichts, höchstens mal ein paar Ameisen. Nachts am Licht vermisse ich selbst die sonst fast das ganze Jahr über üblichen kleinen Fliegen und Mücken, geschweige denn Falter. Oft ist der Pappschirm einfach leer. Sogar meiner Nachbarin, die sich sonst nicht für Insekten interessiert, ist schon aufgefallen, daß bei nächtlichen Autofahrten kaum noch was im Scheinwerferkegel auftaucht...

Über die Ursachen will und kann ich nicht spekulieren. Was mir allerdings immer wieder auffällt, sind das sinnlose Abmähen von Acker- und Wegrändern, das Abholzen von artenreichen Hecken und das "Loswerden" angefallener Gülle auf den kleinsten Flächen.


Viele Grüße, Jürgen
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  • »Heiner Matthias« ist der Autor dieses Themas

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3

Samstag, 7. Mai 2016, 11:03

Hallo Jürgen und alle entomologisch Interessierten,

falls sich noch jemand hierhin verirrt, hier ein Tipp:
Über die Ursachen will und kann ich nicht spekulieren.
Im Entomologie-Forum stellt Herbert Nickel eine überzeugende Theorie über den Insektenschwund der letzten Jahre auf. Schaut man sich in der Landschaft um, fällt ja schon auf, dass es kaum noch Weidetiere gibt. Und wenn jemand wie Herbert Nickel dies auch wissenschaftlich nachweisen kann, ist das parallele Auftreten von Insekten- und Weidetiere-Rückgang sicher keine zufällige Koinzidenz.

Schöne Grüße,

Heiner

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4

Samstag, 7. Mai 2016, 12:31

Hallo Heiner,

Im Entomologie-Forum stellt Herbert Nickel eine überzeugende Theorie über den Insektenschwund der letzten Jahre auf. Schaut man sich in der Landschaft um, fällt ja schon auf, dass es kaum noch Weidetiere gibt

ja, den Post habe ich auch gelesen. Fand ich sehr interessant. Aber man muß das wohl in größerem Maßstab sehen, als ich hier überblicken kann. Denn hier in der Region hat sich hinsichtlich der Weiderinder in den letzten Jahren nicht sehr viel geändert: man sieht ab und zu ein paar Kühe auf den Wiesen, aber nicht sehr viele. Daran hat sich in den letzten geschätzt 20 Jahren nicht sehr viel geändert. Einen wirklich auffallenden Schwund an Insekten registriere ich hier allerdings erst seit ca. drei, vier Jahren.
Vor 10 Jahren gab es hier viel mehr Insekten, allerdings auch schon viel weniger als in meiner Kinder- und Jugendzeit (1960er-, 70er-Jahre) auf dem Land, wo jederzeit viele Rinder auf den Wiesen standen. Aber das sind wie gesagt nur meine persönlichen Erfahrungen, keine quantitativ erfäßten Beobachtungen. Deshalb schrieb ich, daß ich über die Ursachen nicht spekulieren kann und will.


Viele Grüße, Jürgen
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5

Samstag, 7. Mai 2016, 13:53

Hallo zusammen,

man merkt es schon, dass es nicht mehr so viel krabbelt und fliegt. Die besagte Nachtschau der Insekten fällt eher bescheiden. Das ein SUV nach 300 Km Autobahn fast blank ist, spricht auch für sich. Noch vor etwa 10 Jahren hatte man auf so einer Strecke im Sommer Probleme die Sicht zu behalten. Bestätigung findet sich auch bei den Ornithologen. Prof. Peter Berthold hat schon vor einigen Jahren für die Sommerfütterung der Wildvögel geworben, sehr zum Leidwesen des Nabu. So sind immer mehr Vogelbruten aufgrund von Insktenmangel verhungert. Das Ganze ist aber regional sehr unterschiedlich. Was die Felder betrifft, gebe ich Jürgen vollkommen Recht, im Saarland sieht es nicht besser aus, Felder = kahle Landschaft. Mit der Gülle ist es nicht anders, die wird ausgebracht, bis nichts mehr zappelt und dann werden ja noch die "Umwelt schonenden Pestizide" gefahren.

Den interessanten Artikel von Herbert Nickel hab ich auch gelesen, wenn man sich dann auf den Feldern umschaut, bekommt das Ganze ein Gewicht.

Wünsche Euch ein schönes Wochenende
Gruß aus dem Saarland

Udo-Walter

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Ohne Fundortangabe gelten die Profildaten

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6

Mittwoch, 26. April 2017, 13:42

Da kommt wohl Einiges zusammen. Auch Klimaeffekte könnten eine Rolle spielen. Kühle Frühjahrswochen, wie auch dieses Jahr, zahlreiche Sturmereignisse, Sommerregen und Überschwemmungen. Dazu intensive und oft insektenschädliche Garten- und Landschaftspflege, Agrochemie, Futterunverträglichkeiten, abnehmende Phytodiversität, Ausbreitung von Neozoen ... und und ... und. Ein Anreiz, möglichst mehr für den Naturschutz zu tun.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »karlheinz« (26. April 2017, 15:50)


7

Montag, 28. August 2017, 12:26

Hallo,
bestimmt ein interessanter Artikel zum Thema, und erst recht, weil er auf einer fachfremden Internet Seite veröffentlicht wurde am 27.8.2017 mit dem Titel:

:
Titel:
"Missing Link": "Kill it with fire!" – Vielfalt und Rücksicht, aber nicht für Wespen
Untertitel:

Einerseits plädieren wir für Vielfalt und predigen Tierliebe,
andererseits vernichten wir voller Tatendrang, alles was da kreucht und
fleucht. Wenn wir das nicht ändern, stehen wir bald ziemlich einsam da –
nur noch mit Hunden und Katzen.

Link:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/…en-3812853.html
Viele Grüße
Ralf Buchwald

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8

Montag, 28. August 2017, 17:37

Hallo Allerseits!

Allgemein ist das Wenigerwerden-der-Insekten sicher richtig und das stimmt mich traurig. Außerdem befürchte ich, daß wir mit dem Vernichten von 'allem was da kreucht und fleucht' am Ende auch uns selbst vernichten werden.

Hier bei mir (auf meinem Grund: 21ha) stimmt das oben gesagte Gott sei Dank nicht so ganz. Gründe: ganzjährig weidende Hochlandrinder-Herde, kein Kunstdünger, keine Gülle, kein Gift, die Weide wird nie nachgemäht oder sonst wie 'gepflegt', die Heuwiese nur einmal gemäht, dazu noch viele Stellen, die ich ganz in Ruhe lasse. Es wimmelt von Heuschrecken, Faltern (Bläulinge, Segelfalter, Schwalbenschwanz, alle möglichen 'Brennesselfalter', Spinnen, Gottesanbeterinnen und so weiter. Auch die Nachtinsekten gibt es wie früher: Spanner, Eulen, diverse Schwärmer, Köcherfliegen,....

Aber mir ist schon klar, daß auch meine Insel der Seeligen von Außen bedroht ist.

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9

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 17:28

Hallo,

kleine Aktualisierung eines alten Threads: Wer in diesen Tagen eine Zeitung aufschlägt (oder online unter "Insektensterben" -> News sucht), wird möglicherweise überrascht sein, welch weite Kreise dieses Thema inzwischen zieht. War es früher meistens eine kleine Randnotiz, so geht es heute weit nach oben in der Nachrichten-Hierarchie. Ob sich dadurch wirklich etwas in der Landschaft draußen ändert? Ich glaub' nicht dran...

Viele Grüße,
Heiner

10

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 17:54

Der Unterschied in der Berichterstattung ist, dass gestern eine große Studie des Nabu (bzw. der Krefelder Entomologen) in Plos One veröffentlicht wurde. Diese weist nun sehr überzeugend nach, dass der seit Jahren gefühlte Rückgang von Insekten auch durch Zahlen belegt werden kann. Das hat heute ein großes Medienecho hervorgerufen. Zu den Ursachen äußern sich die Autoren nicht eindeutig, doch sie verweisen darauf, dass dem Insektensterben wohl verschiedene Ursachen zugrunde liegen.

Wenn man heute "Insektensterben" googelt, wird man sicher zahlreiche Hinweise auf die Studien finden.

Gruss, Christian

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11

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 19:43

Hallo Allerseits,
wer der englischen Sprache mächtig ist kann hier die Studie einsehen: http://journals.plos.org/plosone/article…al.pone.0185809
Hier auch der NABU-Link: https://www.nabu.de/news/2017/10/23291.html
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Viele Grüße
Axel Steiner

www.natur-in-nrw.de
Natur-in-NRW twittert

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12

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 20:20

Hallo Axel,
wer der englischen Sprache mächtig ist kann hier die Studie einsehen: http://journals.plos.org/plosone/article…al.pone.0185809
danke für den Link.
Erstaunlich (oder vielleicht auch nicht) ist für mich, dass die Daten vom Entomologischen Verein Krefeld und nicht etwa direkt von einer Uni kommen. Und in der Liste der Datenerfasser tauchen forenbekannte Namen wie A. Hemmersbach und K. Reissmann auf.

Viele Grüße,
Heiner

13

Freitag, 20. Oktober 2017, 07:00

Studie genau lesen

Hallo Forschungsfreunde,

Ich habe nur ganz kurz in die Studie im Link hineingeschaut und ohne jemandem aus dem Forum
oder den Verfassern zu nahe treten zu wollen.möchte ich auf zwei Sätz aufmerksam machen:

In der Einleitung zum Materialien und Methoden Teil finde ich
"Biomass data were collected and archived using a standardized protocol across 63 unique locations between 1989 and 2016"

und später im Materialien und Methoden Teil dann aber:
"Most locations (59%, n = 37) were sampled in only one year, 20 locations in two years, five locations in three years, and one in four years, yielding in total 96 unique location-year combinations of measurements of seasonal total flying insect biomass."

Das ist so keine redliche Forschung !

Gruß, Anna

P.S.: Es wird auch angegeben, dass insgesamt 53 kg Insekten gefangen und in NSGs getötet wurden.

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14

Freitag, 20. Oktober 2017, 16:18

Hallo,

Es wird auch angegeben, dass insgesamt 53 kg Insekten gefangen und in NSGs getötet wurden.

wie bekommt man denn auf andere Weise belastbares Zahlenmaterial??

Gruß Jürgen

15

Samstag, 21. Oktober 2017, 10:26

Ökologische Feldstudien

Hallo Jürgen Gaul,

Es gibt wunderbare ökologische Feldstudien, die sich mit gefährdeten Arten beschäftigen und
diese bei ihren Untersuchungen versuchen verstehen zu lernen und sie nur sehr vorsichtig, um
ganz gezielt einzelne Aspekte zu untersuchen, auch "mal" in Fallen fangen.

Meiner Ansicht nach wurde sicher auch den Krefeldern unter diesem Gesichtspunkt eine Erlaubnis erteilt,
wobei dann - bei ca. 1kg Fanggewicht pro Naturschutzgebiet - ganz eklatant gegen Naturschutzgesichtspunkte verstoßen wurde.

Jeder Feldforscher stellt sich eigentlich die Frage, welche Populationsgröße er vor sich hat und
welchen Anteil an Individuen er mit seiner Untersuchung beeinflußt oder in Ausnahmefällen entnimmt.

Ein wunderbares Beispiel habe ich hier gefunden: Eine Untersuchung einer Zygenae fausta Population
von nur 200 Indivduen durch eine gezielte Feldstudie bei der ich beim Lesen viel gelernt habe und bei der ich sicher
bin, dass die Population durch die Unetrsuchung nicht gelitten hat. (Ekkehard Friedrich: Zygenae fausta im Taubertal)

http://www.zobodat.at/pdf/Mitt-Ent-Ver-S…5_0123-0130.pdf

16

Montag, 23. Oktober 2017, 07:42

Krefelder/Radboud-Studie im Detail

Hallo Heiner,

Ich hatte jetzt Zeit die gesamte Studie im angegebenen Link zu lesen.
Auch wenn ich Eure Besorgnis um Artenvielfalt hoch einschätze und hier
im Forum auch wirklich tolle Feldforscher sehe,
hier ein paar Zusätze zu meiner Kritik an der Studie:


1.) Die Anzahl der untersuchten Standorte ist in vielen Jahren mit 1-3 viel zu niedrig
um einen statistischen Vergleich zu ermöglichen.
2) Es wird so getan, als sei ein Vergleich zwischen den Jahren und eine Aussage über
Veränderungen im Laufe der Zeit möglich. Das kann man nicht, wenn man jedes Jahr
oder jedes zweite Jahr unterschiedliche Standorte beprobt.
3.) Die Untersuchungen haben eine Beprobungsdauer im Jahr von bis zu 176 Tagen-
Fallen werden alle 11 Tage geleert und Tag und Nacht betrieben.
Hier wäre ein ganz anderes Beobachtungsdesign notwenig gewesen.
Messgröße ist schockierenderweise nicht Arten- oder Individuenzahl, sondern
Gramm Insekten in Ethanol !
4) Es werden keine Arten an Insekten unterschieden, trotz Beteiligung der
Entomologen !
5.) Monitoring von Pflanzen scheint mir schlicht falsch, denn es sollen in NSGs
häufig nur 1-5 Arten an Bäumen und Sträuchern vorhanden gewesen sein.
Das ist wenig glaubwürdig, selbt für Standorte am Niederrhein, wo die meisten Gebiete liegen.

Die Frage, warum die Editoren dies alles nicht bemängelt haben, klärt sich, wenn man genauer in die
Liste der Editoren dieser "open access" multidisziplinären Zeitschrift schaut. Ich finde vor allem Mediziner und Pharmakologen,
einige Sozial- und Politikwissenschaftler aber (fast) keine Ökologen, Biologen, Geopgraphen,
Agrarwissenschaftler, Biochemiker.

Aber zu deiner Beruhigung: In OWL und Nordhessen haben die "Fallensteller"
ihr Unwesen noch nicht getrieben !
Vielleicht stellst du für deine besten Beobachtungsplätze mal eine eigene Langzeitstudie
auf, die schonend und besser durchdacht ist.

weiterhin alles Gute,
Anna

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Anna Forel« (24. Oktober 2017, 18:42)


17

Montag, 23. Oktober 2017, 10:56

Ich denke, dass das Thema mehrere Aspekte besitzt.

So ist es sicher schade, dass die statistische Basis dieser Studie offensichtlich nicht gegeben ist und dass es diese Arbeit dennoch bis in die sehr rennomierte Zeitschrift Plos One geschafft hat. Schade, doch das ist leider ein Trend der Zeit, den man auch bei anderen Themen und sogar Zeitschriften wie Science feststellen kann. Politik und Mainstreamdenken geht inzwischen offenbar vor Wissenschaft. Hier kommt es nicht unerwartet, weil die selben Autoren bereits vor zwei Jahren eine Welle losgetreten haben mit den Ergebnissen von nur 2! Malaisefallen und auch schon auf die 75% Schwund gekommen sind. Barbara Hendricks, immerhin deutsche Umweltministerin, sprach darauf hin sogar mal von 75 Prozent ausgestorbener ARTEN...

Davon abgesehen, ist es inzwischen unter Kollegen unstrittig, dass es einen starken Schwund an Insektenindividuen gibt. Praktisch jeder Kollege im Freilandgeschäft, mit dem man spricht, stellt dies fest. Doch natürlich ist uns allen bewusst, dass man solche Dinge hieb und stichfest (im Sinne einer fundierten Statistik) nur schwer wird beweisen können. Auch, weil in den 1990er Jahren oder früher kaum einer Daten so erhoben hat, als dass man sie problemlos mit aktuellen Daten vergleichen kann. Hätten wir damals alle schon Abtropfgewicht von Malaisefallenausbeuten ermittelt, sähe dies ganz anders aus...

Doch auch Beobachtungen vieler Kollegen sind eine wissenschaftliche Aussage (die Sozialwissenschaften arbeiten nur so), daher zweifle zumindest ich nicht daran, dass zumindest der in der Studie beschriebene Trend auch stimmt. Es gibt sicher noch Ungereimtheiten, weil manche Arten auch zunehmen, weil der Schwund in Ostdeutschland viel geringer ist als in Westdeutschland etc. etc., doch das wird man sicher alles noch deuten können.

Viel mehr stört mich, dass die Versursacher längst feststehen. Es ist die böse Agrarindustrie, und NABU & co fokussieren dabei vor allem auf zwei Stoffe, auf Glyphosat und auf die Neonikotinoide. Das zeigt vor allem auf, wie einseitig und eingeschränkt das Denken vieler Umweltverbände ist.

Natürlich ist unstritttig, dass Agrarchemikalien eine große Bedeutung für den Rückgang von Insekten etc. haben. Doch ich kann aus dem Stand ein Dutzend Szenarien aufzählen, aus denen hervorgeht, dass es noch ganz andere und sehr gewichtige Verusacher geben muss. Die Studie selbst erwähnt ja die Stickoxide, die ja vor allem von uns allen und nicht nur aus der Landwirtschaft kommen. Hier muss noch viel mehr geforscht und gedacht werden, und zwar ganz schnell. Sonst werden wir Glyphosat vielleicht verbieten, nur um festzustellen, dass die Insekten weiter munter wegsterben.

Und zu deinem Punkt, Anna: Du schreibst hier, das du davon ausgehst, dass die Entnahme von einem Kilo Insektenlebendmasse aus einem NSG für die Artenentwicklung schädlich ist. Wie kommst du zu dieser Aussage? Kennst du Studien, die das belegen? Ich glaube das nämlich nicht, und ich kenne keine einzige fundierte Studie, die nahelegt, dass ein solcher Zusammenhang besteht. Ganz im Gegenteil gehe ich davon aus, dass die Dichteregulierung bei Insekten in den meisten Fällen von ganz andere Faktoren bestimmt wird und das Wegfangen eines vermutlich sehr geringen Anteils der adulten Imagines durch Fallen (zumindest wenn dies so moderat geschieht wie hier) keine Wirklung auf die Populationsentwicklung hat. Viele Indizien deuten darauf hin.

Viele Grüße, Christian
(und, weil hier die Anonymität stets ein Thema ist, man findet mich unter www.bembix.de).

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18

Montag, 23. Oktober 2017, 16:59

Hallo Christian,,

weil wir so oft unterschiedlicher Meinungen sind, möchte ich mal betonen, daß ich in diesem Fall mit deinen Äußerungen 100%ig konform gehe. Ich hatte mich hier nicht weiter geäußert, weil ich die statistische Signifikanz nicht selbst beurteilen kann und meine eigenen Beobachtungen auf Fotoexkursionen nicht relevant sind. Zumindest sagen sie mir persönlich für meine Gegend, daß der Trend ein dramatischer ist, besonders in den letzten drei, vier Jahren. Einige wenige Insekten wie bestimmte Falter und Schwebfliegen haben allerdings sogar gegen den Trend deutlich zugenommen (offenbar nicht nur hier, wie aus Forenanfragen aus dem ganzen Land ablesbar ist), was allerdings kaum die allgemeine Entwicklung verschleiern kann.


Viele Grüße, Jürgen
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19

Montag, 23. Oktober 2017, 18:39

Man muss beachten, dass manche mobile Insekten wie Schmetterlinge und auch Schwebfliegen inzwischen offenbar sehr weit fliegen müssen (und auch können), um auf die wenigen Blüten zu gelangen, die es noch gibt. Wir hatten in der ausgeräumten Agrarlandschaft in Sachsen-Anhalt in einem Versuch mit Blühstreifen im Herbst manchmal Hunderte von Schmetterlingen (durchwegs häufige Tagfalterarten), sowie Tausende von Schwebfliegen (vor allem aphidophage Arten und Eristalis) auf Blühflächen, die zwischen einen halben und einen. ganzen Hektar groß waren. Doch schaut man sich die Umgebung an, findet man im Umkreis von mehreren Kilometern überhaupt keine Blüten mehr. Das lässt den Schluss zu, dass sich die Arten dort akkumulieren, wo noch etwas blüht.

Solche Effekte muss man beachten, und davon gibt es noch mehr. Natürlich gibt es in der jetztigen Situation auch Gewinner (Prof. Klein aus Freiburg hat in der aktuellen Debatte ja auch darauf hingewiesen, dass manche Schädlinge stark zunehmen), doch das ist eigentlich irrelevant, weil die Zahl der Verlierer sehr viel größer ist. Ich habe schon vor 15 Jahren bei der letzten Rote Liste der Wespen eine Auswertung gemacht, nach der die Zahl der neu nach Deutschland zuwandernden Arten viel geringer als die Zahl der Arten, die mit 0 oder 1 auf der Roten Liste stehen. Zudem sind alle Zuwanderer südlich der Alpen dort ziemlich häufige Ubqiquisten (zumindest bei Tiergruppen, die ich kenne), während es bei uns vor allem die Spezialisten kostet.

Doch solche Effekte muss man eben deuten. Das wird noch etwas dauern und spielt letztendlich auch keine Rolle, weil man so oder so sofort etwas tun müsste, um den Artenschwund zu stoppen. Doch das wird wohl eher nicht passieren....


Gruss, Christian

20

Dienstag, 24. Oktober 2017, 18:52

NSGs NRW

zur Frage nach der Beeinflussung von Biotopen durch Entnahme von Tieren:

Die Studie gibt keine Details zu den Standorten, dass stimmt.
Wir können nicht wissen, ob es sich um vorwiegend kleine NSG mit bis zu 2 Ha,
die Größe einer einzelnen Weidefläche, oder ein riesiges Gebiet
zB eines der großen im Kreis Euskirchen von 450 Ha handelt.

Im Falle einer wissenschaftlich völlig wertlosen, ungeplanten und groben Arbeit
sind aber schon 10g eines Fanges zu viel !

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_…reis_Euskirchen

21

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 12:08

..deine Antwort erklärt natürlich nicht, wie du darauf kommst, dass Malaisefallen überhaupt schädlich für die Populationsentwicklung ist. Die Flächengröße von NSGs ist für diese Fragestellung sicher nicht relevant, weil wir überhaupt nicht wissen, welchen Flächenbezug es bei Fallen gibt.

Und ganz so "wissenschaftlich völlig wertlose, ungeplante und grobe" ist diese Arbeit sicherlich nicht, wie du das hier sagst. Sicher gibt es Fragen zur Statistik, doch den Hauptaussagen kann man sicherlich gut zustimmen (ich kann das jedenfalls).

Gruss, Christian