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  • »Kathrin« ist der Autor dieses Themas

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1

Samstag, 31. März 2018, 19:31

Trichoptera-Larve: Uenoidae - Thremma gallicum

Hallo liebes Forum,

vor einer Woche machte ich eine kleine Exkursion an einen schönen Bach im Schwarzwald, um unter anderem nach den Larven von Thremma gallicum zu schauen, die dort vorkommen sollen. Hierbei handelt es sich um eine Köcherfliege mit einem sehr eigenen und (bei uns) einzigartigen Köcher. Die Art ist die einzige Vertreterin ihrer Familie bei uns, hat eine mediterrane Verbreitung und erreicht im Nordschwarzwald ihre nordöstliche Vorkommensgrenze. Leider hatte ich kein Glück, obwohl ich gefühlte hundert Steine umgedreht hatte. Heute war ich an einem anderen Bach mit ebenfalls bekanntem Vorkommen unterwegs - hatte allerdings wenig Hoffnung und wollte einfach nur ein bißchen planschen. Das Wasser war seeeeehr kalt - ein Wunder, daß es noch nicht gefroren war und in Form von Eiswürfeln dahinplätscherte. Als ich halbherzig einen kleinen Stein umdrehte, traute ich meinen Augen kaum, als da so ein mützenförmiges Etwas zum Vorschein kam. Es fing dann auch an umherzulaufen und der Blick durch die Lupe bestätigte, daß es sich tatsächlich um eine Larve von Thremma gallicum handelte. Da war die Freude natürlich groß und die möchte ich daher mit Euch teilen :).

Funddatum: 31.03.2018
Fundort: Deutschland, Baden-Württemberg, Kegelbach bei Kaltenbronn (Gernsbach) zwischen dem Murgtal und dem Enztal, ca. 775 m ü. NN, MTB 7216/4

Alles Liebe, Kathrin
»Kathrin« hat folgende Bilder angehängt:
  • Thremma_gallicum_Kö_L_B_20180331_03.jpg
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  • Thremma_gallicum_Kö_L_B_20180331_Stack02.jpg
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2

Samstag, 31. März 2018, 20:49

Thremma gallicum

Liebe Kathrin,

schöner Fund, da freue ich mich mit Dir :thumbsup: ! Das Vorkommen dieser Art im Kegelbach ist ja belegt (Kehl, 2005) und wir hatten bei einem Treffen vor längerer Zeit schon darüber gesprochen, dass man hier mal wieder nachschauen müsste. Schön, dass Du das jetzt gemacht hast, wenn auch ohne mich darüber zu informieren :wacko: . Ich hatte Dich über Ostern eigentlich eher in Thüringen vermutet.

Liebe Grüße
Jürgen

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3

Samstag, 31. März 2018, 21:02

Lieber Jürgen,

schön, daß Du Dich mit mir freust :sonne: . Ich habe mich natürlich noch an Deine Aussage über ein Vorkommen in besagtem Bach erinnert und bin auch in der von Dir genannten Publikation darüber gestolpert. Wollte auch erst genau an die Stelle fahren, die mit Koordinaten angegeben war. Bin dann aber doch ganz hoch auf "unseren" Parkplatz und am Kegelbach runtergelaufen. Genaugenommen war ich exakt an der Stelle, an der ich damals Ptilocolepus granulatus gefunden hatte. Ich war auch eher darauf aus, von dieser Art eine Larve in ihrem schönen Moosköcher zu finden. Andererseits beschwere ich mich natürlich auch nicht über diesen Fund hier :D.

Schön, dass Du das jetzt gemacht hast, wenn auch ohne mich darüber zu informieren :wacko: .

Es war nicht so direkt geplant, sonst hätte ich natürlich gerne Bescheid gesagt :fingerbohr: . Ich wollte eigentlich nochmal ins Tal der Kleinen Kinzig und Umgebung, aber da war die Straße zum Teil gesperrt, so daß ich mich spontan für einen anderen Nachhause-Weg und Zwischenstop entschieden habe :). Da ich bis Freitag gearbeitet habe, konnte ich nicht nach Thüringen.

Alles Liebe, Kathrin

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4

Sonntag, 1. April 2018, 18:31

Thremma gallicum

Hallo zusammen,

Kathrin hat alles Wissenswerte über diese schöne und seltene Köcherfliegenart zusammengestellt. Die Larve ist schon wegen der mützenförmigen Form des Köchers unverwechselbar. Ich habe auch noch einige Bilder gefunden, die vom April 2011 stammen. Fundort war ebenfalls ein kleiner Bach im Nordschwarzwald, das Mannenbächle, ein kleiner Seitenbach der Eyach, die unterhalb von Höfen/Enz in die Enz mündet (Hinweis für Kathrin: Nr.1 in der Liste der Fundorte in Kehl (2005)). Dieser Fundort unterscheidet sich insofern von allen weiteren bekannten Stellen, als der Bach über die Enz in den Neckar entwässert, wohingegen alle anderen über Murg, Rench, Kinzig und andere in den Rhein münden.

Hier nun die Bilder:

Thremma gallicum Köcher und Larve. Neben dem charakteristischen Köcher sind die 3 Paar große Sklerite am Mesonotum und ihre Anordnung, sowie das kompakte Abdomen typisch für diese Art.



Mit Thremma am selben Fundort vergesellschaftet: Plectrocnemia conspersa (2 Bilder) und Philopotamus montanus


Rechte Mandibel von Philopotamus montanus. Hier wäre nach dem Schlüssel zu entscheiden: Verläuft die Schneidkante nun gerade (--> P. ludificatus) oder ist sie eingebuchtet (--> P. montanus).

Es wäre sicherlich sehr interessant, mal zu versuchen, an den bekannten Fundstellen einige Imagines zu fangen, deren Flugzeit von Mai bis Juli stattfinden soll. Die Frage ist, ob die Imagines ans Licht gehen, ansonsten müsste man versuchen, sie in der Ufervegetation mit dem Streifnetz zu keschern.

Viele Grüße
Jürgen

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5

Sonntag, 1. April 2018, 20:23

Eine schöne Ergänzung, die Du da zusammengestellt hast :). Deine Bino-Fotos sind eindeutig besser als meine hier nicht gezeigten ;(.

Es wäre sicherlich sehr interessant, mal zu versuchen, an den bekannten Fundstellen einige Imagines zu fangen, deren Flugzeit von Mai bis Juli stattfinden soll. Die Frage ist, ob die Imagines ans Licht gehen, ansonsten müsste man versuchen, sie in der Ufervegetation mit dem Streifnetz zu keschern.

Auf jeden Fall! Da das Jahresziel mit dem Larvenfund ja nun schon erreicht ist, müssen andere Aufgaben her :D. Man findet außerdem kaum Abbildungen/Fotos der Imagines.

Alles Liebe, Kathrin

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6

Montag, 7. Mai 2018, 18:59

Alibi-Thremma ;-)

Liebe Kathrin,

Zitat von »Jürgen«

Demnächst werde ich im Forum mal über meinen Thremma gallicum Fund und die Ergebnisse der Köcherfliegenpuppenuntersuchung berichten.

Das finde ich eine gute Idee! Ich habe mich schon gefragt, was damit ist. Und ob Du vielleicht doch nicht wirklich exkursieren warst, weil Du den Beweis nicht antreten konntest :D :kicher: .

nachdem angezweifelt wurde, dass meine Exkursion am 06.04. tatsächlich stattgefunden hat, will ich jetzt schnell noch einige Bilder zur Untermauerung meines Alibis anfügen :D. Die Fundstelle war am Leinbächle bei Baiersbronn-Obertal und lag nur wenige Meter unterhalb des in der Arbeit von Kehl angegebenen Fundorts Nr. 21. Leider habe ich vergessen, ein Habitatfoto zu machen, aber das Gewässer ist ein ganz unscheinbarer, nur schwach strukturierter Bach, der unter der Verbindungsstraße zwischen Baiersbronn-Obertal und Buhlbach hindurchgeht und nach ca. 50 m in die Rechtmurg mündet. Trotz der wenig spektakulären Morphologie ist der Verlauf immer wieder von Kaskaden unterbrochen, eine Struktur, die nach Literaturangaben dem Habitat von Thremma gallicum entspricht.

Die Binoaufnahmen sind wegen der von mir schon erwähnten Probleme leider wieder suboptimal. Immerhin zeigen sie aber die unverwechselbaren Erkennungsmerkmale dieser Köcherfliegenlarve.

am Fundort (zuviel Sonne von hinten)


Köcher von oben, unten und Larve mit den typischen Skleriten am Mesonotum

Liebe Grüße
Jürgen

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7

Donnerstag, 10. Mai 2018, 17:29

Lieber Jürgen,

sehr schön! Nun glaube ich es tatsächlich, daß Dich Dein Weg mal wieder in die Natur geführt hat - und zwar nicht, um Fische aus einem zwangsweise trockengefallenen Bach zu retten :kicher: . Bin auch überhaupt nicht geknickt darüber, daß Du die Larven gleich beim ersten Anlauf gefunden hast, während ich erst zwei Bäche aufsuchen und 93 Steine umdrehen mußte :D.

Alles Liebe, Kathrin

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8

Donnerstag, 10. Mai 2018, 17:36

Bin auch überhaupt nicht geknickt darüber, daß Du die Larven gleich beim ersten Anlauf gefunden hast, während ich erst zwei Bäche aufsuchen und 93 Steine umdrehen mußte :D.

... und das hat bei mir nicht mal 10 Minuten gedauert, liebe Kathrin :thumbsup: ! Die Larve war übrigens sehr klein, 3,4 mm lang, das Gehäuse auch nur 4,1 mm. Die muss aber noch kräftig wachsen, wenn sie im Juni fliegen soll.

Liebe Grüße
Jürgen

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9

Donnerstag, 10. Mai 2018, 18:46

Lieber Jürgen,

... und das hat bei mir nicht mal 10 Minuten gedauert, liebe Kathrin

jajaaa, reib's nur noch mehr rein :D . Immerhin kann ich die zehn Minuten am zweiten Bach unterbieten, da es ja so ungefähr gleich der erste Stein war :aetsch: :D .

Alles Liebe, Kathrin

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Freitag, 8. Juni 2018, 20:01

*Update*

Heute fand ich wieder mal einen Köcher von Thremma gallicum - hatte diesmal gar nicht danach gesucht :rolleyes: . Er war schon ziemlich fest auf dem Stein, so daß es mich nicht überraschte, eine Puppe vorzufinden. Es wird ja auch langsam Zeit für den Start der imaginalen Flugsaison :).
Der Fund-Bach ist in der schon viel zitierten Publikation von Kehl nicht erwähnt, liegt aber auch nur ein Tal neben dem Rötenbächle (Nr. 38 ).

Funddatum: 08.06.2018
Fundort: Deutschland, Baden-Württemberg, Mittlerer Schwarzwald, Landkreis Freudenstadt, Ehlenbogen (Alpirsbach), Lohmühlebach zwischen Schömberg und Büchenberg, 605 m ü. NN, MTB 7516/433

Alles Liebe, Kathrin
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  • Thremma_gallicum_Kö_P_20180608_04.jpg
  • Thremma_gallicum_Kö_P_20180608_02.jpg
  • Lohmühlebach_01.jpg

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Samstag, 9. Juni 2018, 15:34

Liebe Kathrin,

das ist ein interessanter Fundort außerhalb der in Kehl erwähnten Lokationen :thumbup:, obwohl zu erwarten war, dass Thremma gallicum sicherlich auch noch an anderen Bächen in der Region anzutreffen ist! Ich kenne den Lohmühlebach übrigens sehr gut, weil sich im unteren Teil die Forellenzucht Schindler befindet, bei der ich jedes Frühjahr unsere Bachforellenbrut abhole. Deshalb hatte ich den Bach auch schon auf dem Schirm für eine Exkursion, aber nicht wegen T. gallicum, sondern wegen großer Steinfliegen, die ich bei meinen Besuchen Ende April schon mehrmals am Bach und in der Zuchtanlage herumflattern sah. Aber wenn man 12.000 Bachforellenbrütlinge im Auto hat, hat man zunächst andere Sorgen als anzuhalten und nach Steinfliegen zu suchen :D .

Kannst Du mir mal die Koordinaten Deines Fundorts zukommen lassen, weil ich diese Daten in einer kleinen Datenbank zusammenfasse und dann auf einer topografischen Karte darstellen kann. Ich sende Dir dann selbstverständlich auch einen Kartenausschnitt ;) .

Liebe Grüße
Jürgen

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12

Sonntag, 10. Juni 2018, 14:39

Lieber Jürgen,

ist ja lustig, daß Du genau dort Deine Forellen abholst :D . Die Anlage habe ich natürlich gesehen - bin jetzt auch schon das zweite Mal in dem Tal gewesen und finde es einfach nur wunderschön :love: .

Die Koordinaten suche ich gerne raus und lasse sie Dir zukommen :). Ich denke auch, daß die Art natürlich noch in weiteren Bächen vorkommen wird. Man kann ja unmöglich alles absuchen, so daß sicher immer wieder mal weitere Nachweise auftauchen werden.

Alles Liebe, Kathrin