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  • »Katja« ist der Autor dieses Themas

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1

Mittwoch, 10. Juli 2019, 20:04

An was erkennt man bei der Blattlaus das Geschlecht?

Hallo,
am Feldweg in Gunaras Ungarn 150müM Grösse 2,3mm

Viele Grüsse
Katja
»Katja« hat folgendes Bild angehängt:
  • 2,3mm (3).JPG

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2

Donnerstag, 11. Juli 2019, 21:19

Hallo Katja,
ich kann dir deine Frage, wie man die Geschlechter unterscheidet zwar, auch nicht beantworten, aber die von dir gezeigte Blattlaus ist ein Weibchen.

Einige Blattlausarten pflanzen sich parthenogenetisch fort - es gibt also sowieso nur Weibchen. Andere pflanzen sich bis in den Spätsommer oder Herbst parthenogenetisch fort, und erst dann entstehen geflügelte Geschlechtstiere, die sich paaren, und die Eier zur Überwinterung ablegen. Ich vermute, dass man hier die Geschlechter so einfach nicht unterscheiden kann, weiß es aber wie gesagt nicht. Geflügelte Weibchen gibt es aber das Jahr über auch schon vorher, aber die haben vor allem die Aufgabe, neue Pflanzen zu besiedeln und pflanzen sich nicht geschlechtlich fort.
Dein Tier ist ungeflügelt, also ein sich ungeschlechtlich fortpflanzendes Weibchen.
VG Michael

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3

Donnerstag, 11. Juli 2019, 21:35

Hallo Michael,

ich habe mich in diesem Zusammenhang gefragt: Sind Männchen eigentlich immer geflügelt?


Viele Grüße, Jürgen
-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=
Borgholzhausen, Deutschland
Typische Habitate, in denen ich unterwegs bin.
-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=





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4

Donnerstag, 11. Juli 2019, 22:02

Hallo Michael,

ich habe mich in diesem Zusammenhang gefragt: Sind Männchen eigentlich immer geflügelt?

Ja. Ich habe den Zyklus gerade doch noch mal nachgeschaut, und er ist unglaublich komplex:
Aus den Eiern auf dem Hauptwirt (Winterwirt) schlüpfen flügellose Weibchen (Fundatrizen = Gründerinnen), die auf dem Hauptwirt parthenogentisch kleine Kolonieren von Weibchen erzeugen, welche Fundatrigenien heißen.

Die Fundatrigenien können flügellos oder geflügelt sein. Die letzteren (Migrantes) verlassen ab ca. Ende Mai den Hauptwirt und wandern auf den Nebenwirt (Sommerwirt) ab, wo sie, abermals parthenogenetisch, die uns bekannten großen Blattlauskolonien gründen, und die aus sog. Virginogenien bestehen.
Ende des Sommers entstehen in diesen Kolonien geflügelte Weibchen, die Gynoparen, die auf dem Nebenwirt keinen Nachwuchs mehr erzeugen, sondern auf den Hauptwirt zurückwechseln, und dort ohne Befruchtung die weiblichen Geschlechtstiere zur Welt bringen. Diese sind angeblich (mir ist so eine noch nie aufgefallen) leicht an ihren verdickten Hinterschienen zu erkennen. Ob sie geflügelt oder ungeflügelt sind, steht hier nicht.

Etwas später entstehen auf den Nebenwirten Männchen. Diese sind stets geflügelt, damit sie zu den weiblichen Geschlechtstieren auf den Hauptwirt übersiedeln können. Dort findet dann die Paarung statt. Nur die Eier überwintertn.
Allerdings ist bei vielen Blattlausarten dieser Zyklus an der einen oder anderen Stelle reduziert.
VG Michael

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5

Donnerstag, 11. Juli 2019, 23:03

Danke, Michael,
für diese ausführliche Erläuterung. Bis dahin hätte ich nicht geglaubt, dass mich das wirklich interessiert, aber jetzt bin ich echt fasziniert. Da geht es ja bei den Menschen vergleichsweise einfallslos zu!
Beste Grüße,
Konrad

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6

Donnerstag, 11. Juli 2019, 23:23

Hallo Michael und Konrad,

Danke, Michael, für diese ausführliche Erläuterung.

dem schließe ich mich an.

Zitat

Bis dahin hätte ich nicht geglaubt, dass mich das wirklich interessiert, aber jetzt bin ich echt fasziniert.

Ja, es ist erstaunlich, was die Evolution da hervorgebracht hat. Ich hatte darüber schonmal vor vielen Jahren im großen (15-bändigen) Grzimek gelesen, doch der ist von Ende der 1960er-Jahre, und inzwischen dürfte die Forschung schon "ein bißchen" weiter sein.


Viele Grüße, Jürgen
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7

Freitag, 12. Juli 2019, 06:46

Hallo Michael,
ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Erklärung. Mir geht es wie Konrad, bin ganz fasziniert, das ist eine Wissenschaft für sich, sehr, sehr interessant.

Viele Grüsse
Katja